À Portuguesa – Iberische Konzerte und Sonaten © Harmonia Mundi
Bild: Harmonia Mundi

Alte Musik - "À Portuguesa – Iberische Konzerte und Sonaten"

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Andreas Staier entdeckt mit dem Orquestra Barroca auf einer neuen CD portugiesische Barockmusik. Bernhard Schrammek hat sich die Aufnahme für uns angehört.

Portugiesische Barockmusik ist heute kaum bekannt. Das liegt zum einen an der periphären Lage dieses kleinen Landes und zum anderen an den Folgen des verheerenden Erdbebens von 1755, das viele musikalische Quellen zerstört hat. Seit 2006 gibt es allerdings am futuristischen Konzerthaus von Porto – dem Casa da Música – auch ein festes Barockorchester, das sich ganz besonders um die eigene musikalische Tradition kümmert. Gemeinsam mit dem Cembalisten Andreas Staier hat dieses Orquestra Barocca Casa da Música jetzt eine CD unter dem Titel "À Portuguesa" vorgelegt.

Kluge und effektvolle Programmauswahl

Das bunte, abwechslungsreiche Programm der CD präsentiert einen europäischen Blick auf die iberische Halbinsel: Als originär portugiesischer Komponist fungiert José António Carlos de Seixas mit zwei Cembalokonzerten, hinzu kommen drei Cembalosonaten des Wahl-Lissaboners Domenico Scarlatti sowie deren Bearbeitungen in einem Concerto grosso des Engländers Charles Avison, ein Konzert mit dem Titel "À Portuguesa" von William Corbett und als effektvolles Finale das berühmte Quintett "Musica notturna delle strade di Madrid" von Luigi Boccherini in einer Bearbeitung von Andreas Staier für Streichorchester und Cembalo. 

Gelungenes Panorama der iberischen Barockmusik

Das Orquestra Barocca Casa da Música verdient sich auf dieser CD Bestnoten, es spielt differenziert und homogen, setzt kluge Akzente und kostet den musikalischen Spaß von Boccherinis „Nachtmusik“ voll aus. Andreas Staier brilliert auf einem klangprächtigen Cembalo sowohl in den Konzerten von Seixas als auch in den Solosonaten von Scarlatti. Hier wäre es allerdings noch schöner gewesen, die konkreten, von Avison in seinem Concerto grosso Nr. 5 bearbeiteten Stücke einzuspielen. Insgesamt gelingt den portugiesischen Musikern ein sehr gelungenes Panorama der iberischen Barockmusik.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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