Charles Munch: The Complete Warner Recordings; Montage: rbb
Bild: Warner Classics

Orchester - "Charles Munch – The Complete Warner Recordings"

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In einer Box mit 13 CDs ist das Gesamtwerk des französichen Dirigenten Charles Munch neu erschienen, insofern dieses in Frankreich entstanden ist. Was ist so Besonderes an dieser Edition?

Den legendären Dirigenten Charles Munch (1891-1968) kennt man vor allem als Chef des Boston Symphony Orchestra, dessen weltweiten Ruf er durch ein umfassendes diskografisches Œuvre begründete (welches sich in einer früher erschienenen Box bei Sony/RCA auf nicht weniger als 86 CDs beläuft).

Dass er daneben auch in Paris wirkte, wenn auch eher als Schlusstein einer großen musikalischen Tradition, wird durch diese epochale Box mit 13 CDs dokumentiert. Die Aufnahmen aus der Zeit von 1941 bis 1968 waren seit ewigen Zeiten vergriffen (oder noch nie auf CD herausgekommen). Ein Meilenstein.

Gischtig spritzender Streicherklang

Neben dem Schlankheits- und Linienbewusstsein des Klangs und einem gischtig spritzenden Streicherklang, wie man ihn wohl nur im Paris jener Jahre fand, legte Munch besonderen Wert auf eine musikalische Freiheit seiner Musiker – ein Merkmal des französischen Stils, welches heute gern übersehen wird. Das sorgt für Transparenz und einen weit stärker "horizontalen" Klang, der dem mehrheitlichen französischen Repertoire (Ravel, Debussy, Berlioz, aber auch Jolivet, Delannoy, Aubert etc.) zugute kommt.

Munch studierte in Berlin und versah in Köln und Leipzig Konzertmeisterstellen (er war von Haus aus Geiger). Brahms’ Erste klingt bei ihm eine Spur süffiger, die Klavierkonzerte von Mozart, Beethoven und Liszt einige Unzen leichter.

Als Solisten begegnet man noch legendären Größen wie Marguerite Long, Alfred Cortot, Jacques Thibaut, André Navarra und sogar Jean-Louis Barrault als Rezitator (in einer Claudel-Kantate von Arthur Honegger). Auch die Ensembles – vom Orchestre Lamoureux über das Orchestre de la Societé des Concerts du Conservatoire bis zum neu gegründeten Orchestre de Paris, deren erster Chefdirigent Munch war – geben ein Bild der französischen Hauptstadt jener Jahre.

Dem Dirigenten Munch, der in der Zeit der Besatzung zur französischen Résistence zählte und dafür später den Orden der Französischen Ehrenlegion erhielt, wird mit der Box ein überfälliges CD-Denkmal errichtet. Vielleicht eher was für Geschichts-Fans. Im Übrigen: überragend.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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