Gioacchino Rossini Edition © Warner Classics
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CD-Kritik - Gioacchino Rossini Edition

Bewertung:
Am 13. November jährte sich der 150. Todestag von Gioacchino Rossini. Das Label Warner Classics hat das Jubiläums zum Anlass genommen, eine große, um nicht zu sagen monumentale Rossini-Box herauszubringen. 50 CDs, das ist selbst in Zeiten umfangreicher CD-Editionen eine Menge Material.

Das Label ist der Erbe des ehrwürdigen EMI-Konzerns. Und natürlich kommt ein Mammut-Anteil der CDs aus diesem Archiv. Doch die EMI hatte nie die Nase vorn, was Rossini angeht; die wirklich großen memorablen Aufnahmen kamen von der Universal und diversen kleineren Firmen, und ironischerweise sind die beiden besten Rossini-Operngesamtaufnahmen hier gar nicht dabei , es fehlt sowohl der Barbier mit der Callas als auch der Tell unter Pappano.

Aber überraschenderweise hat Warner einiges dazugekauft, was nicht zur EMI gehört, und da sind dann hier doch einige echte Schätze dabei, wie der legendäre Tancredi unter Gabriele Ferro mit Fiorenza Cosotto in der Titelrolle, wichtige Pesaro-Liveaufnahnmen der 1980er und 90er Jahre; hinzu kommen  legendäre Gesamteinspielungen der EMI-Tochter Erato unter Claudio Scimone und Marc Minkowski.

Der "andere" Rossini

War die EMI nie Spitzenreiter, was Rossinis Opernwerk angeht, so ist der "andere" Rossini immer exzellent bei dieser Firma vertreten gewesen.

Etwa ein Viertel der Box ist der nicht-musikdramatischen Seite Rossinis gewidmet, es finden sich hier alle drei großen Kirchenwerke, zwei Solo-Kantaten, Variationen von Cziffra über Rossini, Respighis Ballett Der Zauberladen nach Rossini-Motiven, Klavierlieder mit Hampson, viele Einzelarien, die Streicherserenaden, Klavierstücke – also allein schon wegen dieses oft vernachlässigten Aspekts der Rossini-Rezeption ist die Box dringend empfehlenswert.

Eine echte Rossini-Wundertüte

Sicher – nicht jede einzelne ausgewählte CD ist ein Volltreffer – für mich ist der  technisch brillante, aber mit einem schaurigen Timbre gestrafte Tenor Rockwell Blake hier mit einer CD zu viel vertreten (zwei Soloalben hätten auch gereicht), und über die Gesamtaufnahmen der Cenerentola bzw. des Conte Ory ist die Zeit gnadenlos hinweggeschritten, sie können heute eher als staunenswerte, aber ungeschickte frühe Versuche, sich Rossinis Stil zu nähen, gelten. Dagegen überraschen andere Opern wie L’assedio di Calais  mit Beverly Sills und Il Turco in Italia mit Maria Callas durch ihre emotionale Suggestionskraft trotz Kürzungen und stilistisch zweifelhafter Interpretation.

Also insgesamt eine echte Rossini-Wundertüte: Für jeden was dabei, viel drin für wenig Geld und manch echtes Wunder ist wirklich zwischen nachrangigen Aufnahmen zu finden. Kein Fehlkauf, zumal der schnittige Würfel gut ins Regal passt und wenig Platz wegnimmt.

Matthias Käther, kulturradio

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