Robert Schumann: Frage © Sony Classical
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Gesang - Robert Schumann: "Frage"

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Der berühmte Liedersänger Christian Gerhaher hat eine neue CD mit Liedern von Robert Schumann aufgenommen, wie immer begleitet von dem Pianisten Gerold Huber. Das haben beide auch schon früher getan. Eigentlich nichts Besonderes, oder doch?

Wenn Christian Gerhaher, der gewiss beste Liedersänger der Gegenwart, zu einem integralen Schumann-Liederzyklus ansetzt, darf man schon mal ins Horn stoßen. Er tut es selber auch, denn so unmittelbar, sogar schmetterfreudig wie in den Kerner-Liedern oder den Vier Gesängen op. 142 hörte man den Sänger selten. (Folge wohl auch der verstärkten Opernaktivitäten des Baritons.) Einen besonderen Akzent legt er auf die zyklische Gestalt, in die Schumann seine Lieder fasste. Dass bei Schumann "Text und Musik" "nie völlig deckungsgleich" würden, wie er sagt, zeigt sich auch im disputhaften Verhältnis von Sänger und Klavier – worin Gerhaher und sein langjähriger Pianist Gerold Huber durchaus einen Fortschritt gegenüber früheren Interpreten bedeuten.

Da kommt keiner ran

Gewiss wirkt der exklamative Gebrauch der Stimme immer noch anerzogen, sogar antrainiert und wohlstudiert. Die Gefahr, bei allem Streben nach Natürlichkeit manierhaft zu werden, macht sich gelegentlich wieder bemerkbar. Überhaupt bleibt der Vortrag stets gemessen, gezügelt, vergeistigt. Darin jedoch dürfte Gerhaher einen wichtigen Aspekt des immer noch rätselhaften Schumann treffen, der eben kein 'echter' Lieder-Komponist war (wie Schubert), sondern ein Gedicht-Schreiber auf dem Felde der Musik. Ein Lyriker, egal was er komponierte. Auch darin entdeckt Gerhaher Seiten, die neu erscheinen. Man wird feierlich, wenn man diese CD hört. Was soll man sagen: Da kommt keiner ran.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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