Gioacchino Rossini: Aureliano in Palmira © Naxos
Bild: Naxos

Oper - Gioachino Rossini: "Aureliano in Palmira"

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Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende zu, und mit ihm geht auch das Rossini-Jubiläums-Jahr zu Ende. Kurz vor Toresschluss erschien bei Naxos Rossinis Oper "Aureliano in Palmira" in einem Mitschnitt vom Rossini-Festival in Bad Wildbad. 

Die Oper gehört zu meinen Rossini-Favoriten. Das ist einer der ganz wenigen Flops Rossinis – und der hat ihn End e1813 kalt erwischt, denn der junge Komponist war absolut im Aufwind und komponierte einen Super-Hit nach dem nächsten: Die seidene Seiter, Tancredi und die Italienierin in Algier wurden schnell in ganz Italien nachgespielt. Und jetzt der endgültige Griff nach der Opern-Weltmacht, die erste ernste Oper für die Mailänder Scala! An seiner Seite der ebenfalls junge kongeniale Star-Librettist Felice Romani, der später die Texte zu Liebestrank und Norma verfassen sollte. Und dann der Flop! Kein Wunder, dass Rossini das Werk später nicht mehr mochte und viel  Material lieber nochmal woanders genutzt hat, unter anderem für den Barbier von Sevillia.

Doch ganz verschwand das Werkl im 19. Jahrhundert nicht von den Bühnen. Erstaunlicherweise wurde es später in Lissabon und London erfolgreich aufgeführt. Oder doch nicht so erstaunlich? Kommt der wenig effekthascherische, aber sehr emotionale Aureliano bei introvertierteren Portugiesen, Engländern und besser an, während er heißblütige Italiener kaltläßt? Das mag klischeehaft klingen, aber die stille Kammeroper scheint außerhalb Italiens wirklich mehr anzusprechen.

Denn auch in Deutschland funktioniert er – das ist schon die zweite Aufführungsserie aus Wildbad, die nun auf CD vorliegt – und mit Abstand die bessere.

Mezzo ist besser

Diesmal hat man nämlich den Arsace, der ursprünglich von einem Kastraten gesungen wurde, nicht mit einem Countertenor besetzt, sondern von einer Mezzosopranistin. Und auch wenn Marina Viotti so ihre Schärfen in den Höhen hat, ist sie doch um Dimensionen besser als Männer in dieser Rolle, Manch einer mag die opulentere Aufnahme von 2010 unter Maurizio Benini bei opera rara vorziehen, die mir aber zu steif und repräsentativ klingt; grade das Kammermusikalische, Intime kommt hier in diesem Mitschnitt gut Geltung; alle Solisten singen passabel bis ausgezeichnet.

Schade dass der Camerata Bach Choir aus Poznan hier bei so wichtigen Aufgaben etwas kläglich klingt und der einst so bewunderte Hirten-Solo-Chor kaum Wirkung entfaltet, und dass dann am Ende doch so ein bißchen der letzte Schliff fehlt.

Es überwiegt die Freude

Die meisten ernsten Opern aus Wildbad haben eine gewisse Eckigkeit und Kantigkeit, die stört; es fehlt dieser Hauch gelassener Eleganz, den die ernsten Opern Rossinis unbedingt brauchen, um wirklich perfekt zu klingen. Vielleicht sind deshalb die buffe aus Wildbad fast immer großartig und überschatten die serie.

Alles in allem ist das aber Meckern auf hohem Niveau; es überwiegt bei mir doch die Freude, dass dieses schöne Werk nun für einen erschwinglichen Preis und sensibel dirigiert auf dem Markt erhältlich ist.

Matthias Käther, kulturradio

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