Juri Vallentin: Bridges © Genuin
Bild: Genuin

Oboenmusik - Juri Vallentin: "Bridges"

Bewertung:

Diese CD ist ein "Bekehrungserlebnis" für all jene, die eigentlich mit Oboenmusik nicht viel anfangen können. "Bridges" von Juri Vallentin zeigt: das Instrument ist eines der unterschätztesten überhaupt.

Diese CD hat in mir ein "Bekehrungserlebnis" ausgelöst! Ich war bisher nicht unbedingt der Freund von Solo-Oboe mit Continuo, bzw. Klavierbegleitung. Das hat für mich oft die Tendenz in Richtung "schrill", da hört man viele Obertöne, die man nicht unbedingt hören will, kurz: Für mich war die Oboe bislang eher ein Orchesterinstrument. Aber das Debüt des 28-jährigem Oboisten Juri Vallentin hat tatsächlich einige meiner gepflegten Vorurteile korrigiert!

Suche nach der verlorenen Zeit

Der Titel "Bridges", der verweist natürlich auf die Dramaturgie, die Juri Vallentin selbst konzipiert hat. Interessant ist, dass er auf seiner Internetseite einen Blog betreibt, in dem er kluge Gedanken zu den Werken der CD notiert hat. So schreibt er etwa über die Aufnahme der Symphonia vom Barockkomponisten Johann Christoph Pez: "Eine Entdeckungsreise, die uns an vergangene Zukunft erinnern lässt." Also für Juri Vallentin bedeutet Interpretation hier im Sinne von Marcel Proust eine aktive Suche nach der verlorenen Zeit.

Bekehrungserlebnis

Jurij Vallentin wurde in Mainz geboren, hat russlanddeutschen Hintergrund. Studiert hat er in Nürnberg studiert und am Pariser Conservatoire. Als Student war er u.a. Mitglied im European Union Youth Orchestra. Inzwischen ist er weltweit unterwegs als Solist. Sein Lebensmittelpunkt ist Berlin. Auf seiner Internetseite kann man übrigens praktischen Voyeurismus betreiben, man blickt nämlich in sein von der Sonne erleuchtetes Übezimmer.

Juri Vallentin hat einen unglaublich warmen, klaren Ton, der wirklich nie unangenehm wird, auch in den ganz hohen Registern.  Er singt mit dem Instrument. Und das ist kein Zufall, denn er hat zur Oboe auch Gesang studiert. In diesem warmen Ton liegt eine enorme Tiefe. Bei mir löst das tatsächlich bisweilen Gänsehaut aus - Stichwort Bekehrungserlebnis in Sachen Oboe.

Wunderbar

Beachtlich ist die Repertoirebreite der CD, sie enthält Musik aus den letzten 350 Jahren! Es ist faszinierend, in wie vielen unterschiedlichen Stilistiken Juri Valentin zuhause ist, drei Sprachen spricht er auf seiner Oboe, beherrscht die historisch-informierte Rhetorik genauso wie die moderne, und natürlich die des 19. Jahrhunderts. Für dieser Epoche scheint sein Herz allerdings am stärksten zu schlagen, davon zeugen die wunderbar interpretierten drei Romanzen op. 94 von Robert Schumann.

Claus Fischer, kulturradio

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