The Classic André Previn © Sony/RCA
Bild: Sony/RCA

55 CD-Box - "The Classic André Previn"

Bewertung:

In einer großen Box mit Orchester- und Kammermusikwerken sind die gesammelten, bei RCA und anderen amerikanischen Labels erschienenen CDs des in Berlin geborenenen André Previn wiederveröffentlicht worden. Ist Previn von allgemeiner Bedeutung – oder eher ein Berliner Klassiker?

Zum bevorstehenden 90. Geburtstag hat die Sony sämtliche Alben wiederveröffentlicht, die der Dirigent und Pianist André Previn für die Labels RCA, CBS und Columbia in den 60er bis 80er Jahren machte; darunter die legendären Rachmaninov-Konzerte (mit Vladimir Ashkenazy als Solist) sowie der erste Stereo-Zyklus aller Vaughan Williams-Symphonien, die Beethoven-Konzerte mit Emmanuel Ax und unzählige Miszellen auch im Kammermusikbereich. Sie zeichnen die Weltkarriere dieses Mannes nach – und mit ihr die Tatsache, dass sie sich irgendwie so nebenbei ereignete. Previn ist eigentlich ein Unterschätzter.

Knopfartige Pointiertheit

Geboren in Berlin als Sohn eines Rechtsanwaltes, floh die Familie 1938 unter so abenteuerlichen Umständen in die USA, dass nicht einmal Klarheit über das genaue Geburtsjahr besteht (die Geburtsurkunden wurden zurückgelassen, Previn weiß es selber nicht genau). In den USA begann er als Pianist, wovon überragende Aufnahmen des Gershwin-Konzertes (mit André Kostelanetz am Pult) und der Schostakowitsch-Konzerte (unter Bernstein) sowie französische Kammermusik überragend Zeugnis ablegen. Die knopfartige Pointiertheit seines Anschlags hätte ihm eine längere Pianistenkarriere vergönnt. Doch Previn wurde lieber Dirigent; z.B. beim London Symphony Orchestra, wo seine Produktivität mit dafür verantwortlich ist, dass dieses Orchester mehr Schallplatten gemacht hat als jedes andere.

Marshmellowhafte Schaumigkeit

Sein Stil basierte auf weich polierten Klangflächen, blitzendem Blech und einem prunkvoll sich präsentierenden Apparat, der das Bild einer amerikanischen Klangästhetik erst formte. Aufgrund seiner Herkunft vom Filmmusical jedoch (er orchestrierte "Gigi" von Vincente Minnelli, "Silk Stocking" mit Fred Astaire und komponierte die Musik für Billy Wilders "Eins, zwei, drei") sorgt für starke rhythmische Akzente – und führt damit niemals zu marshmellowhafter Schaumigkeit (wie etwa bei James Levine). Von seinen jazzigen Grenzgängen ist hier das epochale Album mit Leontyne Price enthalten (von 1967).

Eine Entdeckung

Der fünf Mal verheiratete Musiker (zuletzt mit Anne-Sofie Mutter, bis 2006) besaß auch privat Glamour genug. Durch seine Ehe mit Mia Farrow ist er heute zugleich Schwiegervater von Woody Allen. Die 55 CD-Box enthält bei weitem nicht alles, was Previn überhaupt aufgenommen hat. Sie zeigt eine Karriere von irritierender Vielfalt und bombastischem Talent. Direkt eine Entdeckung.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

Weitere Rezensionen

Cellokonzerte von 1966 © Myrios Classics
Myrios Classics

Orchester - "Cellokonzerte von 1966"

Das zweite Cellokonzert des georgischen Komponisten Sulchan Zinzadse wurde 1966 uraufgeführt - im gleichen Jahr wie das Cellokonzert Nr. 2 von Dmitri Schostakowitsch.

Bewertung:
Franz Schubert: Sinfonien 1+ 6 © Pentatone
Pentatone

Alte Musik - Franz Schubert: Sinfonien 1+ 6

René Jacobs einen Zyklus mit Schubert-Sinfonien begonnen. Das ist ungewöhnlich, da sich der Dirigent bislang auf CDs nie über Mozart hinausgewagt hat. Aufregend?

Bewertung: