Erich Wolfgang Korngold: Das Lied der Liebe © Rondeau
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Operette nach Musik von Johann Strauß - Erich Wolfgang Korngold: Das Lied der Liebe

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Obwohl der Walzerkönig Johann Strauß selbst eine stattliche Anzahl an Operetten geschrieben hat, war die Nachwelt damit anscheinend nicht zufrieden und hat nach seinem Tod neue Werke mit alten Melodien produziert – selten waren diese Neuaufgüsse besser als die Originale. Jetzt ist eine solche Bearbeitung auf CD erschienen, das Lied der Liebe – die ist ausnahmsweise mal kongenial.

Das Besondere ist der prominente Bearbeiter. Kein Geringerer als Erich Wolfgang Korngold hat diese Operette 1931 vollendet, ein extrem wichtiger jüdischer Opernkomponist der Moderne und später auch großartiger Filmkomponist in Hollywood.

Er hat die Musik von Johann Strauß so raffiniert in seine Zeit transportiert, so dass sie fast klingt wie ein Original der 30er Jahre.

Ein Teil stammt aus der Operette "Das Spitzentuch der Königin", weitere Elemente wurden aus anderen Operetten übernommen oder direkt aus Tanzstücken, ähnlich wie in "Wiener Blut". Aber Korngold hat hier auch viel Eigenes einfließen lassen. Das musste er, um sich von einem Konkurrenzprojekt abzusetzen.1925 erging der Auftrag an ihn, das "Spitzentuch der Königin" zu bearbeiten, er wurde damit nicht fertig, und so wandten sich die genervten Auftraggeber an einen anderen Bearbeiter. Diese Fassung kam auch heraus (an der Städtischen Oper Berlin im Sommer 1931). Korngold musste sich mit seinem vorhandenen Material etwas einfallen lassen, wenn er seine Noten noch an den Mann bringen wollte. So wurde dann eine völlig andere Handlung erfunden und neue Musik arrangiert.

Der Plot ist äußerst kompliziert, und leider so schlecht, dass es wirklich nicht lohnt, groß darüber nachzudenken. Die Handlung klingt wie eine Zwangsheirat zwischen dem Grafen von Luxemburg und der Gräfin Mariza. Das Label Rondeau bzw. die Musikalische Komödie Leipzig haben das Problem mustergültig gelöst – die Dialoge sind nur an neuralgischen Stellen, ansonsten liest der Schauspieler und Regisseur Cusch Jung kurze Zwischentexte - so erfährt man ein bisschen was, wird aber nicht minutenlang mit redundanter Handlung genervt.

Nicht vollkommen, aber extrem sympathisch

Natürlich muss man beim Hören ein paar Abstriche in den Erwartungen machen, wenn man weiß, dass das Original für die Creme der Berliner Operettenszene gedacht war: Richard Tauber und co., Davon einmal abgesehen, ist hier erstaunlich genießbare und amüsante Aufnahme entstanden.

Denn das Ensemble der Musikalischen Komödie Leipzig ist ein extrem sympathischer Haufen, der für diese Art Musik brennt, man gräbt gern Unbekanntes aus, und meist mit Erfolg.

Hier muss man nie befürchten, eine höflich-sterile Interpretation zu geliefert bekommen; diese Sänger spielen ihre Rollen überzeugend, sie mögen das, was die tun. Adam Sanches tritt an die Rampe und schmettert seine Arien mit Verve, Lilli Wünscher ist eine kleine, aber feine Operettdiva, und auch der Rest, ist wenn auch nicht immer optimal bei Stimme, agiert entwaffnend leidenschaftlich. Und deswegen verzeihe ich gern alle kleinen Unvollkommenheiten. Es gibt so viele langweilige Operettengesamtaufnahmen, die anämisch klingen wie schlecht gesungene Bachkantaten ...

Diese wahrlich nicht. (Auch ein Fortschritt zur etwas blasser gesungenen "Prinzessin Nofretete" von Dostal (erhältlich beim selben Label.) Dass alles ist nicht zuletzt dem Einsatz des empathischen Chefdirigenten Stefan Klingele zu danken.

Matthias Käther, kulturradio

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