CD Cover: Alfred Cellier - Dorothy
Bild: Naxos

Oper - Alfred Cellier: "Dorothy"

Bewertung:

Britische Oper im 19. Jahrhundert – das ist immer noch ein wenig bestelltes Feld, und außer den Werken von Arthur Sullivan scheint das meiste vergessen. Doch das will die Dirigentenlegende Richard Bonynge anscheinend ändern – mit seinem Victorian Opera Ensemble hat er in den letzten Jahren immer wieder englische Opern ausgegraben. Jetzt ganz frisch bei Naxos auf dem Markt: Dorothy von Alfred Cellier.

Es lohnt sich eigentlich immer, mal einen Blick zu werfen auf die Opern, die einst Sensationserfolge waren, nicht nur in England, sondern generell, und das hat der instinktsichere Dirigent Bonynge wieder einmal getan. Er hat eine der erfolgreichsten britischen Opern aller Zeiten erstmals auf die CD gebracht. 1886 uraufgeführt und dann nach kurzer Stagnation 931 gespielt, gehörte das Werk zu den populärsten britischen Opern aller Zeiten, selbst wenn wir Theatererfolge von Purcell, Britten und Sullivan mit einrechnen.

Pikante Mischung aus operettigen und spielopernartigen Elementen

Was die Komposition angeht, ist Dorothy durchaus ein großer Wurf, eine pikante Mischung aus operettigen und spielopernartigen Elementen, und Cellier kann durchaus anspruchsvoll komponieren, wie er in den vielen Ensembles beweist. Vieles ragt sogar über die musikalisch zwar extrem pointierten, aber doch kompositorisch und gesangstechnisch eher anspruchslosen Sullivan-Klamotten hinaus.

70 Minuten sehr kurzweilige Musik

Und genau liegt das Problem. Für eine Sullivan-Oper wäre Bonynges Team ausreichend.

Cellier will durchaus mehr; das sind eben nicht nur fröhlich vor sich hinhüpfenden Couplets, es wird auch schon mal opernhafter, und da klingt Majella Cullagh in der Titelpartie viel zu herb und angestrengt, und die Tenöre Matt Mears und Michael Vincent Jones zu blass und uncharismatisch.

Auch das Textbuch trübt den Genuß; man darf hier nicht die Qualität eines Gilbert erwarten –  diesmal ist es Stevenson, leider nicht der mit der Schatzinsel, sondern Benjamin Stevenson, ein eher zweitklassiger Autor. Weder sind die Verse besonders gut, noch die Geschichte, es ist die übliche Verwechslungs-Heiratskomödie jener Zeit. Deswegen kann ich ausnahmsweise mal gut damit leben, dass Richard Bonynge hier auf die Dialoge verzichtet hat. Die Gesamtaufnahme enthält also nur die Musiknummern.

Alles passt auf eine CD – das sind 70 Minuten sehr kurzweilige Musik, und grade in den Stücken, wo es nicht so auf die Handlung ankommt, spürt man das große Talent des Komponisten, der wirklich eine Ehrenrettung verdient hat.

Matthias Käther, kulturradio

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