Alinde Quartett: Lichtwechsel; Montage: rbb
Bild: Hänssler Classic

Streichquartett - "Lichtwechsel" | Mendelssohn & Purcell

Bewertung:

Mit dem Album "Lichtwechsel" präsentiert das Kölner "Alinde Quartett" einen ersten Höhepunkt im Kammermusikjahr 2019.

Das letzte Streichquartett von Felix Mendelssohn Bartholdy kombiniert mit vier Fantasien von Henry Purcell - rund 150 Jahre liegen zwischen diesen Werken, die bei genauem Hinhören aber hervorragend zusammenpassen.

Dunkelheit

Tiefschwarze Trauer umgab Felix Mendelssohn Bartholdy, nachdem er im Mai 1847 vom plötzlichen Tod seiner geliebten Schwester Fanny erfahren hatte. In seinem anschließenden Streichquartett Nr. 6 hat der Komponist diesen Verlust verarbeitet -  nicht ahnend, dass auch er selbst nur fünf Monate später sterben würde. Tod und Sterben, Verlust und Trauer - auch wenn Mendelssohn dieses musikalische "Andenken" an die Schwester meisterlich gestaltetet hat  - wer sich als Interpret ausschließlich mit dieser Komposition beschäftigt, muss irgendwann vermutlich um das eigene Seelenheil fürchten.

Licht

In dieser Phase einer "dunklen Seelenstimmung" haben die vier Musiker des Alinde Quartetts eher zufällig, "aus einer Laune heraus", die lichten Fantasien von Henry Purcell entdeckt  - und in dieser strahlenden Polyphonie aus dem Jahr 1680 erhellende Erbauung gefunden. Diese angenehme und erleichternde Empfindung, diesen "Wechsel des Lichts", habe man in ein Album übertragen wollen.

Farbe

Die Musiker aus Köln spielen schon seit acht Jahren zusammen, unter anderem ausgebildet bei Günter Pichler, dem Gründer des Alban Berg Quartetts, an der Berliner Hochschule für Musik "Hanns Eisler" bei Eberhard Feltz und aktuell beim Hagen Quartett in Basel. Und so gelingt den vier Interpreten, darunter der hervorragende Cellist Moritz Benjamin Kolb, mit ihren Einzelstimmen ein durchweg tragender Ensembleklang, bei Mendelssohn romantisch gefärbt, bei den Fantasien von Henry Purcell authentisch rein  - ein "Gambenconsort", das hier mit dem modernen Instrumentarium klangtreu nachempfunden wird.

Glanz

Mendelssohn und Purcell, beide mit nicht einmal 40 Jahren gestorben, ansonsten zwei verschiedenen musikalischen Epochen angehörend, werden mühelos und überzeugend in einem schlüssigen Konzept präsentiert -  dieses CD-Debüt ist ein erster Höhepunkt in den Kammermusikproduktionen des noch jungen Jahres 2019.

Hans Ackermann, kulturradio

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