André-Messager: Les p'tites-Michu
Bild: Bru Zane

Operette - André Messager: "Les p’tites Michu"

Bewertung:

Die erste Operetten-CD des Jahres - eine Gesamtaufnahme von "Le p’tites Michu" von André Messager. 

2019 ist das große Jacues Offenbach- Jahr, und da stehen natürlich Offenbach und die französische Operette bei vielen Cd-Labels ganz oben auf der Liste. Die erste Operetten-CD des Jahres präsentiert uns jetzt das Label Palazetto Bru Zane: eine Gesamtaufnahme von „Le p’tites Michu“ (Die beiden Michu), allerdings nicht von Offenbach, sondern von André Messager. 

Fortsetzer der französischen Operettentradition

Messager wurde oft als wichtiger Fortsetzer der französischen Operettentradition gefeiert, als der Mann, der den Offenbachschen Geist in Frankreich bis in die 1920er Jahre aufrecht erhielt, und einige seiner Werke sind auch an Offenbachs gegründetem Operetten-Theater, den Bouffes parisiennes, uraufgeführt worden, so auch diese abendfüllende Operette, ein Werk von 1897, entstanden also mehr als 15 Jahre nach Offenbachs Tod.

Ein Meister der Instrumentierung

Wenn man sich heute diese Operette von Messager anhört, hat man das Gefühl, dass es ihm   hier nicht immer gelungen ist, dem Schatten Offenbachs zu entgehen. Das liegt vielleicht daran, dass die pure, unverfälschte Bouffe Messagers Talent nicht so optimal zur Geltung bringt wie andere Gattungen. Messager war ein Meister der Instrumentierung – mußte sich hier aber auf das kleine Orchesterchen beschränken, das in den Graben des winzigen Premierentheaters passte. Seine noblen eleganten Melodien mit einem leichten Hang zur Melancholie bewegen auch heute noch – davon sind in dem lärmenden Werk allerdings wenig zu finden, dessen alberne Verwechslungskomödie eng an die offenbachsche Tradition anschließt. Doch an Albernheiten kann sich Messagers Talent nicht so entzünden wie sein großes Vorbild, und so bleibt vieles eher matt. Die atemlos kurzen Musiknummern stehen geschwätzigen Dialogen gegenüber, nur wenige Nummern überschreiten die Zwei-Minuten-Grenze, und wer auf opulente Finali hofft, wird auch enttäuscht. Vielleicht ist dann doch eher etwas für sehr gute Kenner der französischen Sprache und den Binnenmarkt unserer Nachbarn.

An Spielfreude mangelt es nicht

Davon abgesehen ist die Ensembleleistung durchgehend gut, was vielleicht auch daran liegt, dass es sich hier ein festes Opernensemble handelt, das sich versteht und eingespielt hat: die Compagnie Les Brigands. An Spielfreude mangelt es jedenfalls nicht. Auch Dirigent Pierre Dumoussaud bringt viel Schwung in die Sache, sein kleines Kammerorchester hier im Livemitschnitt aus Nantes klingt dann aber doch ein bißchen topfig. Eine begrüßenswerte Geste, Messager wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken - aber nehmen wirs als Hours d'oeuvre. Ein Messager-Hauptgang wie "Madame Chrysantheme", die französiche Butterfly, wäre nun auch auf CD wünschenswert.

Matthias Käther, kulturradio

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