Pyotr Ilyich Tchaikovsky. The Queen of Spades
Bild: Melodiya

Oper - Pyotr Ilyich Tchaikovsky. The Queen of Spades

Bewertung:

Peter Tschaikowskys Puschkin-Oper Pique Dame ist nicht nur ein russischer Opernklassiker, sondern eine der berühmtesten Literaturopern überhaupt. Jetzt hat das russische Label Melodia sein Archiv geöffnet und erstmals einen Moskauer Mitschnitt des Werks vom Dezember 1989 auf CD veröffentlicht.

Pique Dame ist für mich Tschaikowskis beste und packendste Oper, mit Suspense-Handlung, lebensechten Figuren, einer genialen klassischen Horror-Geschichte als Vorlage und vor allem einer Musik, in der Tschaikowski an die Grenze dessen geht, was damals überhaupt möglich war. Manche Passagen sind so expressiv, dass zuweilen man fast glaubt, einer Richard-Strauss-Oper zuzuhören, etwa wenn der Held Hermann während eines heftigen Gewitters beschließt, sein Schicksal herauszufordern oder Lisa verzweifelt in die Newa springt

Belcanteske Schönheit

Der Livemitschnitt vom 25. Dezember 1989 aus dem großen Saal des Moskauer Konservatoriums ist ein Leuchtturm unter den russischen Operngesamtaufnahmen, nicht nur der letzten Jahre, sondern generell.

Zum einen ist es das Rollendebüt von Irina Arkhipova als Pique Dame. Frau Arkhipova war so etwas wie die russische Christa Ludwig, die vielleicht populärste russische Mezzosopranistin des 20. Jahrhunderts, ein Publikumsliebling, und hier tritt die 64jährig erstmals in der Titelpartie auf und gibt eine sowohl darstellerisch als auch sängerisch elegante Grand Dame - ein echter Höhepunkt ihrer Karriere. Zum andern ist es das Debüt des Baritons Dmitri Hvorostovsky, der damals 26 Jahre alt den Jeletzky sang, und das mit einer Hingabe, die auch heute noch staunenswert ist. Seine Schlußphrase der großen Arie im zweiten Akt ist mit einer solch belcantesken Schönheit ausformuliert, wie ich sie bisher selten gehört habe.

Schönste Pique-Dame-Aufnahme

Aber auch das Liebespaar ist schier zum Niederknien. Natalia Datsko als Lisa mit einer samtenen dunklen Sopran-Stimme voller Leidenschaft, Vitali Tarasshenko, der manchmal an den jungen Gedda erinnert, als feuriger Hermann – das ist durchaus auf Augenhöhe mit den beiden berühmteren Sängern.

Übrigens ist es auch einer der großen Momente des Dirigenten Vladimir Fedosseyev, dessen Orchester unerhört wandlungsfähig ist und bruchlos von Mozartscher Eleganz zur Brutalität der Moderne zurückkehren kann. Und als wären das noch nicht genug Glücksfälle – die Qualität des Mitschnitts von 89 ist so kristallklar und brillant, dass er fast Studioniveau hat; der konzertante Charakter der Aufführung erspart uns jegliches Bühnengerumpel. Eine der schönsten Pique-Dame-Aufnahmen überhaupt! Hoffentlich eine Ausnahme, denn sollte Melodia in der nächsten Zeit mehr Mitschnitte dieses Niveaus ausgraben – wehe dem Geldbeutel des Opernfans!

Matthias Käther, kulturradio

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