Christophe Croisé: Cellokonzerte von Haydn und Vivaldi
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Alte Musik - Christophe Croisé: Cellokonzerte von Haydn und Vivaldi

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Ein junger Cellist aus der Schweiz, der in Berlin studiert, hat mal eben den Königsweg bei Haydns Cellokonzerten gefunden. Und der verläuft zwischen solistischer Brillanz und kammermusikalischer Haltung.

Nach zwei Kammermusik-Alben legt Christoph Croisé nun mit den Haydn-Konzerten seine dritte CD vor. Das ist angesichts seines Alters von 25 Jahren genauso erstaunlich wie die lange Reihe seiner internationalen Preise, errungen unter anderem in Berlin, China und Mexiko. Dabei studiert er noch an der Universität der Künste in der Klasse von Wolfgang Emanuel Schmidt. Dass er schon einen gewissen Ruf unter Cellisten hat, zeigt auch ein Meisterkurs, den er im Juli in Madrid anbietet.

Haydns Gefälligkeiten

Für Haydn waren seine Cellokonzerte keine besonders herausragenden Werke. Er betrachtete sie als Gefälligkeiten gegenüber seinen Orchestercellisten, um ihnen einmal einen Soloauftritt zu ermöglichen. Sein zweites Konzert hat er noch nicht einmal in sein Werkverzeichnis aufgenommen, weil er es vermutlich vergessen hatte. Heute sind die beiden Konzerte die klassischen Cellokonzerte schlechthin und daher im Repertoire von so gut wie jedem Cellisten.

Silbern funkelnd über dem Orchester

Christoph Croisé setzt sich von der Konkurrenz zunächst dadurch ab, dass er mit einem ausgesucht kleinen Ensemble spielt, das ein kammermusikalisches Musizieren ermöglicht. Es sind lauter junge Solisten, die sich in der Schweiz unter der Leitung des Geigers Sherniyaz Mussakhan zusammengefunden haben. Das Spiel des Solisten glänzt durch einen sehr gezielten Einsatz der Höhen. Silbern funkelnd kann er seine Linien über dem Orchester ziehen, ohne den Kontakt zu seinen Mitmusikern zu verlieren. Dabei hat er immer etwas zu sagen und gestaltet mit klarem Impetus. Besonders im D-Dur-Konzert ergibt sich so ein lebendiger und mitreißender Austausch. Das Vivaldi-Konzert für Violine und Cello ist eine nicht unbedingt nötige Dreingabe, um auch dem Orchesterleiter ein Solo zu geben. Im Ohr bleibt der selten so spritzig wie hier aufgeführte Haydn. Durchaus eine neue Referenzaufnahme.

Dirk Hühner, kulturradio

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