Symphonien-Edition Haydn2032, Vol.7 © Alpha
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Il Giardino Armonico und das Kammerorchester Basel spielen Schauspielmusiken - Haydn2032, Vol. 7 – Gli Impresari

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2032 begeht die Musikwelt Joseph Haydns 300. Geburtstag. Bis dahin will der Dirigent Giovanni Antonini alle 107 Sinfonien Haydns auf historischen Instrumenten neu eingespielt haben. Jetzt ist das 7. Album erschienen: drei Haydn-Sinfonien und eine Schauspielmusik von Mozart.

In der Beliebtheit der drei Wiener Klassiker rangiert Haydn hinter Mozart und Beethoven. Das merkt man auch daran, dass es nur wenige komplette Aufnahmezyklen von Haydns Sinfonien gibt – und bislang keinen vollendeten in historisch informierter Lesart.

2014 hat Giovanni Antonini angefangen. Er geht nicht chronologisch vor, sondern ordnet die Sinfonienfülle nach Themen: "La Passione", "Il Filosofo", "Lamentatione" – das sind auch Titel von Haydn- Sinfonien – und jetzt "Gli Impresari", deutsch etwa die Direktoren, die Intendanten. Denn die Sinfonien dieses Albums waren zuerst Schauspielmusiken.

Theatermusik

Haydns Musik ist voll von Signalen, die von seinen Zeitgenossen am Hof der Fürsten Esterházy auch erkannt wurden. Das Forscherteam um Giovanni Antonini hat nun die Textbücher von Stücken entdeckt, die damals von reisenden Theatergruppen unter ihren Impresari bei den Esterházys gespielt wurden, und  darin den szenischen Ursprung solcher erkannt.

Man muss "Der Postzug oder die noblen Passionen" oder "Die Jagdlust Heinrichs des Vierten" nicht kennen, aber dass Antonini die Sinfonien mit Lust am theatralischen Effekt spielen lässt, macht Freude. Die Musiker des Kammerorchesters Basel beherrschen ihre Instrumente exzellent. Sie spielen Haydn enorm farbig. Nichts klingt altväterlich oder angestaubt, alles ist flexibel, emotional und raffiniert.

Haydn ist auch auf dem Theater immer hintersinnig und fein, nie platt. Genau so hat er das Bühnengeschehen begleitet. Antonini ist geschult am barocken Vokabular. Er liest in Haydns Partituren mehr als manche Kollegen. Und so wird beispielsweise das Trio im Menuett der F-Dur-Sinfonie Nr. 67 ein klangliches Musette-Juwel.

Buch statt Booklet

Jedes Album der Edition Haydn2032 erscheint mit einem aufwändigen Begleitbuch. Darin findet man neben Bildern der MAGNUM-Agentur auch Texte zum Hintergrund der Werke. Die sind kein Haydn-Spaß, denn der Autor scheint von Sprache des 18. Jahrhunderts so sehr infiziert zu sein, dass er für Leser des 21. Jahrhunderts ziemlich sperrig schreibt.

Christian Schruff, kulturradio

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