Johann Sebastian Bach: Markuspassion BWV 247
Bild: Alia Vox

Gesang - Johann Sebastian Bach: Markuspassion BWV 247

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Die verlorene Passion: Jordi Savall legt eine neue Version der Markuspassion von Johann Sebastian Bach vor.

 

Zwei Passionsvertonungen von Johann Sebastian Bach – nach den Evangelisten Johannes und Matthäus – sind vollständig erhalten. Von seiner Markuspassion aber, die er in Leipzig mindestens zweimal aufgeführt hat, ist leider nur der Text überliefert, die Musik ist komplett verschollen. Das Libretto, verfasst von Christian Friedrich Henrici (Picander), lässt aber den Rückschluss zu, dass zumindest viele Arien und Chöre der Passion von Bach im Parodieverfahren aus vorher komponierten Werken übernommen worden sind. In der Vergangenheit wurden bereits viele Versionen des Werkes aufgeführt mit Entlehnungen aus Bach-Werken, aber auch mit den unterschiedlichsten Ergänzungen.

Version Bach pur

Jordi Savall hat sich in seiner gerade erschienenen Neueinspielung für eine pure Bach-Variante entschieden. Die Musik zu den Arien und zum Eingangs- und Schlusschor entnahm er Bachs Trauerode und etlichen Kantaten, die Rezitative, Choräle und Turba-Chöre mehrheitlich der Matthäus- sowie der Johannespassion. Stilistisch ergibt das schon eine gewisse Einheit, Bach-erfahrene Zuhörer jedoch wähnen sich besonders bei den Rezitativen und Turbae immer wieder im falschen Werk. Beweisen kann es niemand, aber auf die Neukomposition gerade dieser Teile hätte Bach sicher nicht verzichtet.

Unfertige Interpretation

Jordi Savall ist ein Weltstar und hat eine Menge faszinierender CDs vorgelegt. Doch diese Aufnahme der Markuspassion irritiert: Seltsam flüchtig und unfertig wurde das Stück bei einem Livemitschnitt auf CD gebannt. David Szigetvári ist als Evangelist zwar mit einer sehr guten Stimme ausgestattet, aber nicht durchgehend verständlich, Konstantin Wolffs Jesus klingt grob und schlecht intoniert. Das Orchester spielt sich mit Routine durch die Partitur, die beiden Chöre aber lassen vor allem in den vielen Chorälen eine klangschöne Homogenität vermissen. Hinzu kommt die recht hallige Akustik der Chapelle Royale in Versailles, die nicht gerade zu einer Akzentschärfung beiträgt.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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