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Film - "I am not your negro"

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Rassismus und Diskriminierung sind aber für Raoul Peck keinesfalls Relikte der 60er Jahre. Die fundamentalen Ungerechtigkeiten und die strukturelle Gewalt gegen Schwarze gibt es noch immer - auch das zeigt "I am not your negro".

Der haitianische Filmregisseur Raoul Peck ist ein Viel-Arbeiter. Erst vor wenigen Wochen ist sein Spielfilm über den jungen Karl Marx in Deutschland angelaufen. Nun kommt bereits sein nächster Film in die Kinos: "I am not your negro" – eine Dokumentation über den Rassismus in den USA und den Kampf der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den 60er Jahren.

Basierend auf einem Textfragment

"I am not your negro" geht zurück auf ein Text-Fragment des 1987 gestorbenen US- Schriftstellers James Baldwin namens "Remember This House". Baldwin, selbst eine der wichtigsten Persönlichkeiten des schwarzen Amerika im 20. Jahrhundert, unternimmt darin eine imaginäre Reise in den amerikanischen Süden. Er reflektiert seine eigene Jugend und seine politische Bewusstseinswerdung in den 30er und 40er Jahren, er beschreibt, wie er schließlich 1948 - aus Verzweiflung und Wut über die Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung - die USA verlässt und ins Exil nach Frankreich geht - und er erinnert an drei der wichtigsten schwarzen Bürgerrechts- Aktivisten der 60er Jahre, an Medgar Evers, an Malcolm X und Martin Luther King. Alle drei waren gute Bekannte von Baldwin und alle drei wurden aufgrund ihrer politischen Überzeugungen ermordet.

"I am not your negro"; © Salzgeber
"I am not your negro"; © SalzgeberBild: Salzgeber

Filmischer Essay

Doch "I am not your negro" ist weniger ein Dokumentarfilm als vielmehr eine Art filmischer Essay. Das Grundgerüst bildet Baldwins Text, gelesen mit sonorer Stimme von Samuel L. Jackson (in der deutschen Fassung vom Hamburger Rapper Samy Deluxe). Darauf legt Raoul Peck Bilder aus alten amerikanischen Wochenschauen: Ausschnitte von Bürgerrechts- Märschen, von aufgebrachten weißen Gegendemonstranten und von der allgegenwärtigen Polizei- Brutalität, die sich vor allem gegen Schwarze richtet. Peck zeigt aber auch Ausschnitte aus Lesungen von James Baldwin und aus politischen Talkshows - und er arbeitet immer wieder mit Bildern von Hollywood- Filmen aus den 50er und frühen 60er Jahren, um zu zeigen, mit welchen Klischees damals gearbeitet wurde und wie das Kino die vorherrschende Gesellschaftsordnung zementierte anstatt sie zu hinterfragen.

Rassismus und Diskriminierung sind aber für Raoul Peck keinesfalls Relikte der 60er Jahre. Die fundamentalen Ungerechtigkeiten und die strukturelle Gewalt gegen Schwarze gibt es noch immer - auch das zeigt "I am not your negro". Es gibt in der amerikanischen Gesellschaft einen eklatanten Mangel an Mitmenschlichkeit - hört man  James Baldwin am Ende sagen - wenn man Raoul Peck glauben darf, hat sich an diesem Befund bis heute nichts geändert.

Carsten Beyer, kulturradio

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