Es war einmal in Deutschland © X Verleih
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Film - "Es war einmal in Deutschland"

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Das Schicksal der Juden im Nationalsozialismus als Komödie zu verfilmen, ist nicht einfach. Trotzdem haben sich immer wieder Filmemacher an dieser Gratwanderung zwischen Tragik und Komik versucht. Wie ist sie Sam Gabarski gelungen?

Teilacher sind fahrende Händler, die ihre Ware von Haustür zu Haustür verkaufen. David Bermann (Moritz Bleibtreu) ist ein solcher Teilacher. Gemeinsam mit seinem Team - allesamt Juden, die wie er den Holocaust überlebt haben, verkauft er in den Nachkriegsjahren Wäschepakete an deutsche Hausfrauen – und zwar mit allerlei Tricks: Mal geben sie sich als Ärzte aus, mal behaupten sie , sie kämen im Auftrag der Deutschen Reichsbahn – und da, wo es angebracht scheint, spielen sie auch schon mal mit dem schlechten Gewissen ihrer Kunden.

Eine Komödie zu drehen über das Schicksal der Juden im Nationalsozialismus, ist nicht einfach. Trotzdem haben sich immer wieder Filmemacher daran versucht: Der Italiener Roberto Benigni beispielsweise mit "Das Leben ist schön", auch Jurek Beckers Roman "Jakob der Lügner" ist schon mehrfach fürs Kino adaptiert worden. Und jetzt kommt Sam Gabarski mit "Es war einmal in Deutschland".

Es war einmal in Deutschland © X Verleih
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Gabarskis Drehbuch beruht in großen Teilen auf Michel Bergmanns Roman-Trilogie "Die Teilacher". Dabei geht es auch um existenzielle Fragen. Schließlich haben alle Mitarbeiter der Firma Bermann ein schlimmes Schicksal hinter sich: Einige waren im KZ, andere mussten sich jahrelang versteckt halten, einer hat im Exil in Shanghai ein Auge verloren. Und der Chef? Aus dem wird man nicht so recht schlau. Während seine Firma blüht und gedeiht, muss David Bermann immer wieder zum Rendezvous mit der strengen amerikanischen Militärpolizistin Sara Simon (Antje Traue) – steht er doch im Verdacht, mit den Nazis kollaboriert zu haben.

Es geht in diesem Film nicht darum, ob hier möglicherweise ein Mensch Schuld auf sich geladen hat. Viele Juden fühlen sich nach dem Krieg schuldig – weil sie die Naziherrschaft überlebt haben und so viele andere nicht. Gabarskis Film geht auch der Frage nach, warum manche Juden nach dem Krieg  überhaupt in Deutschland geblieben sind und sich hier eine neue Existenz aufgebaut haben. Eigentlich ein Paradox, aber die menschliche Seele ist biegsam und zu erstaunlichen Leistungen fähig ...

Es war einmal in Deutschland © X Verleih
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Dass die Gratwanderung zwischen Tragik und Komik am Ende nur teilweise gelingt, liegt weder am Drehbuch noch am Cast, sondern eher an den Produktionsumständen. Kamera, Kostüme und Setting sind sehr brav und sehen stark nach deutschem Förderkino aus. Im zerbombten Nachkriegs- Frankfurt erkennt man auf einen Blick die Kulissen des Studio Babelsberg wieder und so hat man – eigentlich zu Unrecht – das Gefühl, diesen Film schon hundertmal gesehen zu haben.

Carsten Beyer, kulturradio

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