"Einsamkeit und Sex und Mitleid" © X Verleih AG
© X Verleih AG
Bild: © X Verleih AG Download (mp3, 5 MB)

Komödie - "Einsamkeit und Sex und Mitleid"

Bewertung:

"Einsamkeit und Sex und Mitleid"- dieser Titel erinnert nicht nur zufällig an den Text der deutschen Nationalhymne: Lars Montag entwirft in seinem Kino-Debüt ein Psychogramm der Deutschen und ihrer Befindlichkeiten.

Ähnlich wie Robert Altmans berühmter Film "Short Cuts" ist "Einsamkeit und Sex und Mitleid" ein Ensemblefilm. Er erzählt die Schicksale von sehr unterschiedlichen Charakteren, die alle auf die eine oder andere Weise nach Liebe suchen: Da ist Ekki (Bernhard Schütz), der einsame Ex- Lehrer, der seine Zeit im Supermarkt totschlägt, Robert (Rainer Bock) – dreifacher Familienvater und Hobby-Imker, der zwar viele Menschen um sich hat, von ihnen aber komplett ignoriert wird.

Dann gibt es die Künstlerin Janine (Katja Bürkle), die im Internet mit sexhungrigen Männern chattet, die aber eigentlich etwas ganz anderes sucht, den Callboy Vincent (Eugen Bauder), der privat ein äußerst biederes Leben führt – und  den übereifrigen Polizisten Thomas (Jan Henrik Stahlberg), den ein merkwürdiges Abhängigkeitsverhältnis mit seiner Kollegin Carla (Friederike Kempter) verbindet.

"Einsamkeit und Sex und Mitleid" © X Verleih AG
"Einsamkeit und Sex und Mitleid" © X Verleih AG | Bild: © X Verleih AG

Alle Schicksale sind miteinander verknüpft

Die Schicksale all dieser Menschen sind miteinander verknüpft, wie sich im Lauf des Films herausstellt. Alle wünschen sich Geborgenheit, Anerkennung und ein bisschen privates Glück – aber alle haben sie das gleiche Problem: Denn die Veränderung, die sie sich so sehr wünschen, müsste eigentlich erst einmal bei ihnen selbst anfangen.

Lars Montag hat es geschafft, aus der komplexen Roman-Vorlage von Helmut Krausser ("Der große Bagarozy") einen schlüssigen und unterhaltsamen Film zu machen. Dabei hilft ihm ein Ensemble aus erfahrenen Theater- und Fernseh-Darstellern, aus dem vor allem Bernhard Schütz und Rainer Bock als unwahrscheinliches Looser-Paar herausragen.

"Einsamkeit und Sex und Mitleid" © X Verleih AG
"Einsamkeit und Sex und Mitleid" © X Verleih AG | Bild: © X Verleih AG

Leider wirkt der Film an einigen Stellen etwas zu maniriert. Montag verläuft sich zwischendurch in ästhetischen Kinkerlitzchen: Es gibt verschiedene Erzählerstimmen aus dem Off, es gibt die eine oder andere etwas gewollte Kamera- Perspektive und der Regisseur lässt auch schon mal eine Porzellan-Figur in Zeitlupe explodieren. Dabei hätte es das gar nicht gebraucht. Denn die Geschichten, die der Film erzählt, sind interessant genug, um die Zuschauer zwei Stunden bei der Stange zu halten.

Carsten Beyer, kulturradio

Weitere Rezensionen

"Ang Panahon ng Halimaw"; © Giovanni D. Onofrio
Giovanni D. Onofrio

68. Berlinale | Wettbewerb - "Ang Panahon ng Halimaw"

Regisseur Lav Diaz bezeichnet seinen Film als "philippinische Rockoper". Der Regisseur, der als Chronist der Traumata seines Landes gilt, hat dafür selbst die Liedtexte geschrieben. Mit "Ang Panahon ng Halimaw" kehrt Diaz in die 70er Jahre zurück.

Bewertung:
"3 Tage in Quiberon"; © Rohfilm Factory / Prokino / Peter Hartwig
Rohfilm Factory / Prokino / Peter Hartwig

68. Berlinale | Wettbewerb - "3 Tage in Quiberon"

Nachdem am Wochenende mit Transit von Christian Petzold der erste deutsche Wettbewerbs-Beitrag lief, folgte gestern 3 Tage in Quiberon, der neue Film von Emily Atef.

Bewertung: