Du neben mir: Maddy Whittier (Amandla Stenberg) und Olly Bright (Nick Robinson) © 2017 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.
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Spielfilm - "Du neben mir"

Bewertung:

Ein romantisches Drama, basierend auf dem Bestseller von Nicola Yoons, dass eine große Liebe unter schwierigen Bedingungen behandelt.

"Everything, everything" lautete der Titel von Nicola Yoons Jugendbuch-Beststeller im Original, bei uns ist er unter dem etwas romantischeren Titel "Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt" veröffentlicht worden. Es geht um eine erste Liebe unter erschwerten Bedingungen, denn die junge Heldin leidet unter einer selten Immunkrankheit und hat ihr Leben lang ihr Haus nicht verlassen. Jetzt wurde das Buch verfilmt, von Stella Meghie.

Du neben mir: Maddy Whittier (Amandla Stenberg) © 2017 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.
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Eine extreme Lebenssituation

Zunächst etabliert der Film die extreme Lebenssituation von Maddie, ein Leben wie unter einer Käseglocke hinter riesigen verglasten Fensterecken in einem abgelegenen Haus am Rand von Los Angeles. Sie lebt hermetisch abgeschlossen, hinter einer Luftschleuse, die einzigen Menschen, mit denen sie Kontakt hat, sind eine Haushälterin und ihre Mutter, eine Ärztin.

Als ins Nachbarhaus eine neue Familie mit einem Jungen in Maddies Alter einzieht, kommt Bewegung in das abgeschirmte Leben, es entwickelt sich eine Art Romeo-und-Julia- Geschichte. Mit den Möglichkeiten, die das 21. Jahrhundert bietet, mit SMS-Nachrichten und Emails, aber auch kleinen Botschaften auf den Fensterscheiben nähern sich die beiden gegen alle äußeren Widerstände an. Schließlich entscheidet sich Maddie, lieber ganz kurz gefährlich zu leben, als lang und sicher.

Du neben mir: Maddy Whittier (Amandla Stenberg) und Olly Bright (Nick Robinson) © 2017 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.
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Penetranter Romantik-Pop

Die äußeren Beschränkungen erhöhen auch beim Zuschauer die Wachsamkeit für kleinste Dinge, die kostbar werden. Nur leider vertraut die Regisseurin nicht so recht darauf, statt entsprechend zurückhaltend und behutsam zu erzählen, zeigt sie die Gesichter der Schauspieler ständig wie unter dem Vergrößerungsglas. Zwischen Amandla Stenberg und Nick Robinson, die bereits Nebenrollen in Blockbustern wie "Tribute von Panem" und "Jurrassic World" hatten, und jetzt beide die erste große Hauptrolle ausfüllen, gibt es eine zart flirrende Chemie, die sehr viel besser zur Geltung käme, wenn die Kamera ihnen nicht ständig so penetrant in voll ausgeleuchteten Großaufnahmen auf die Pelle rücken würde.

Noch schlimmer ist der penetrante Romantik-Pop, der jeden Zauber ertränkt. Selbst bei der Flucht in die freie Natur Hawaiis sehen die Bilder genauso klinisch, sauber und hyperausgeleuchtet aus zuvor das Gefängnis. Besonders schade ist das, weil Stella Meghie durchaus kraftvolle visuelle Ideen hat, so treffen sich die Teenager in Traumsequenzen immer wieder im virtuellen Raum der Modellbauten, die Maddie zum Zeitvertreib konstruiert.

Zeichen der Normalisierung

In Amerika hat der Film auch deshalb Aufmerksamkeit erregt, weil er zu den sehr wenigen Regiearbeiten schwarzer Frauen gehört und dazu noch eine Liebesgeschichte zwischen einer schwarzen jungen Frau und einem weißen jungen Mann erzählt. Spätestens seit der Oscar-so-White-Debatte ist das in Amerika ein allgegenwärtiges Thema, das hier allerdings angenehm unaufgeregt präsentiert wird und damit ein Zeichen für eine gewisse Normalisierung setzt.

Anke Sterneborg, kulturradio

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