Die Erfindung der Wahrheit | Elizabeth Sloane (Jessica Chastain) und Rudolfo Schmidt (Mark Strong), Chef der Kanzlei Peterson Wyatt © Universum Film GmbH
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Spielfilm - "Die Erfindung der Wahrheit (Miss Sloane)"

Bewertung:

Faszinierende Mischung aus Charakterstudie und Politthriller, die elegant um Themen wie Wahrheit, Moral, Identität kreist.

Bekannt geworden ist der britische Regisseur John Madden vor allem mit der romantischen Komödie "Shakespeare in Love" oder den Best Ager-Komödien um das indische "The Best Exotic Marigold Hotel". Da mag es auf den ersten Blick ein bisschen überraschen, dass jetzt mit "Die Erfindung der Wahrheit" von ihm ein kühl kalkulierter Politthriller in unsere Kinos kommt, der mit Jessica Chastain prominent besetzt ist. Ähnlich wie vor einigen Jahren "Eine offene Rechnung", ein spannender Thriller vor dem Hintergrund des Kalten Krieges, ebenfalls mit Jessica Chastain geht es auch hier um die Kräfteverhältnisse in einer Gruppe von Menschen, die der vom Theater kommende John Madden in einem eher theatertypischen Probenprozess zusammen mit den Schau-spielern erarbeitet.

Die Erfindung der Wahrheit | Elizabeth Sloane (Jessica Chastain) und Rudolfo Schmidt (Mark Strong), Chef der Kanzlei Peterson Wyatt © Universum Film GmbH
Elizabeth Sloane (Jessica Chastain) und Rudolfo Schmidt (Mark Strong) | Bild: Universum Film GmbH

Flüchtige Begegnungen

Wie der deutsche Titel umschreibt "Die Erfindung der Wahrheit", die Art wie hier mit Worten und Argumenten Fakten erschaffen werden. Die von Jessica Chastain gespielte Lobbyistin in Washington ist eine Mischung aus raffinierter Anwältin und skrupelloser Söldnerin, die jederzeit alles daran setzt zu siegen. Im konkreten Fall geht es um ein geplantes Gesetz, das den Zugang zu Waffen erschweren soll.

Nach einem Streit mit ihrem Boss, wechselt Miss Sloane die Seiten, vom Team der Waffenlobby zu dem der Waffengegner um den Idealisten Rodolpho Schmidt (Mark Strong). Dabei entwickelt der Film durch die energie-strotzende, bewegliche Kameraführung von Sebastian Blenkov und den hochdynamischen Schnitt einen enormen Drive, mit rasanten Wortgefechten an wechselnden Schauplätzen, in Restaurants, kühlen Konferenzräumen und Bürogängen, in Luxushotels, Nachrichtenstudios, Verhörräumen, Gerichtssälen, die allesamt Durchgangsräume für schnell aufeinanderfolgende flüchtige Begegnungen sind, Bühnen für Analysen und Strategien, die im Laufen ausgetauscht werden.

Faszinierende Mischung

Gespielt wird Miss Sloane von Jessica Chastain, die in letzter Zeit immer wieder klassische Männerdomänen erobert hat, im Krieg von "Zero Dark Thirty", in der Raumfahrt von "Der Marsainer" oder "Gravity". Im Unterschied zu diesen Filmen, in denen sie echte Arbeitskleidung trug, spielt sie hier mit den Widersprüchen von männlich resolutem Auftreten und weiblicher Verführungskunst, und lässt hinter der professionellen Maske und dem Arbeitspanzer feine Haarrisse und Nuancen von Zerbrechlichkeit aufschimmern.

Thema sind dabei weniger die Waffengesetze, die im Zusammenhang mit der hohen Mordrate in Amerika immer wieder diskutiert werden die moralische Fragwürdigkeit des politischen Lobbyismus, der im Dienst wechselnder Auftraggeber alternative Fakten schafft, in einer faszinierenden Mischung aus Charakterstudie und Politthriller, die elegant um Themen wie Wahrheit, Moral, Identität kreist.

Anke Sterneborg, kulturradio

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