Filmstill: Dunkirk
Warner Bros. Pictures
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Spielfilm - "Dunkirk"

Bewertung:

Alles in allem also eine in jeder Hinsicht außergewöhnliche und intensive Erfahrung, ein innovativer Kriegsfilm, der das Genre ohne Pathos und Sentimentalität neu definiert.

Gerade war in Jonathan Teplitzkys "Churchill"  zu sehen, wie sich der britische Premierminister 1944 vor der alliierten Großoffensive gegen Hitlers Blitzkrieg mit den Dämonen vergangener Kriege gequält hat. Jetzt kommt unter dem Titel "Dunkirk", englisch für Dünkirchen, ein weiterer Film über den Krieg in der kleinen Stadt an der französischen Küste in unsere Kinos, dieses Mal geht es um die Evakuierung von 300.000 französischen und britischen Soldaten durch zahllose private Boote Ende Mai und Anfang Juni 1940. Inszeniert ist der Film von Christopher Nolan, der eigentlich eher für Comic-Verfilmungen wie "The Dark Knight" und Science Fiction-Filme wie "Inception" und "Interstellar" bekannt ist, aber auch dort bereits einen ungewöhnlich realistischen Ansatz verfolgte.

Zu Land, zu Wasser und in der Luft

Nun verfilmt er erstmals ein historisches Ereignis, muss also die Welt des Films nicht von Grund auf erschaffen, sondern lediglich eine Struktur für sie finden, die ähnlich originell und raffiniert ist wie schon in seinem Kurzzeitgedächtnis-Thriller "Memento". Das Ereignis aus dem 2. Weltkrieg kreist er aus drei Perspektiven, zu Lande, zu Wasser und in der Luft ein. Er vernetzt eine Woche der Soldaten, die an der Mole von Dünkirchen auf rettende Schiffe hoffen, einen Tag, auf einem der zahllosen Privatboote, die zur Rettung eilen und eine Stunde, in der britische Soldaten im Himmel die deutsche Luftwaffe abwehren.

Die unmittelbare Erfahrung des Krieges

Anders als in klassischen Kriegsfilmen verzichtet Christopher Nolan völlig darauf, die gegnerischen Nazis zu zeigen oder über Landkarten gebeugte Generäle.  Stattdessen fängt er die unmittelbare Erfahrung des Krieges aus der Perspektive der Soldaten ein, die Angst, die Orientierungslosigkeit, aber auch das Zusammenhalten vieler Menschen in einer nationalen Notsituation.

Dabei tut er alles, um auch die Zuschauer mit den Soldaten ins Getümmel zu werfen. Der 20-jährige britische Soldat Tommy, durch dessen Augen das Geschehen an Land erfasst wird, wird von dem unbekannten Fionn Whitehead gespielt, bekanntere Gesichter wie Tom Hardy verschwinden nahezu vollständig unter Fliegerbrille und Helm.

Dunkirk © Warner Bros
© Warner Bros | Bild: Warner Bros

Zusätzlich gesteigert wird die Unmittelbarkeit der Erfahrung durch das exklusive Material auf dem gedreht wurde, "Dunkir"k ist der erste Film, der fast ausschließlich auf 70mm Imax-Format und extrem hochauflösendem 4K-Material gedreht wurde. Im Wechsel zwischen grandios weiten Panoramen und intimen Nahaufnahmen eröffnet sich eine enorme Tiefe des Raumes.

Die Filmmusik hat der Deutsche Hans Zimmer komponiert. Sonst für sinfonische Überwältigungsmusiken bekannt, hat er sich nach "The Dark Knight" und dem Erinnerungsthriller "Inception" von Nolan erneut auf subtilere Abwege locken lassen und arbeitet stark mit realen Geräuschen, wie dem treibenden Ticken einer Uhr oder diversen Industrie-Sounds, in denen die knarzenden Schiffsstahlkörper zu Musikinstrumenten werden.

Alles in allem also eine in jeder Hinsicht außergewöhnliche und intensive Erfahrung, ein innovativer Kriegsfilm, der das Genre ohne Pathos und Sentimentalität neu definiert.

Anke Sterneborg, kulturradio

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