"Final Portrait" © 2017 PROKINO Filmverleih GmbH
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Kinofilm - "Final Portrait"

Bewertung:

Das Buch des Amerikaners James Lord "Alberto Giacometti: Ein Portrait", in dem Lord die Tage beschrieb, an denen er dem Künstler Giacometti Modell saß, wurde verfilmt.

Seine Skulpturen erzielen regelmäßig Höchstpreise auf dem Kunstmarkt, aber auch seine Gemälde werden hoch gehandelt. Als Alberto Giacomettis “Porträt James Lord“ vor zwei Jahren versteigert wurde, lag sein Preis bei 20 Millionen US-Dollar.

Jetzt wurde die Entstehungsgeschichte dieses Porträts zum Gegenstand eines Films:
“Final Portrait“ von Stanley Tucci hält sich eng an das kleine Buch, in dem der Porträtierte,
der Amerikaner James Lord, damals seine Eindrücke von der Arbeit an dem Bild festhielt.
Lord versuchte sich als Kunstkritiker und Schriftsteller, u.a. bat er auch mal Thomas Mann
um eine Beurteilung seines Talents, woraufhin der ihm „die Gabe der Bewunderung“ attestierte.

Im Atelier des bewunderten Künstlers

Tatsächlich bewegte sich Lord als junger Mann in den Künstlerkreisen im Paris der Nachkriegszeit und bewunderte dort verschiedene Leute, aber erklärtermaßen keinen so sehr wie Alberto Giacometti. Es entspann sich ein freundschaftlicher Kontakt und eines Tages, 1964, fragte Giacometti, ob Lord ihm Modell sitzen würde - ein paar Stunden nur. Weil Giacometti – bis heute Inbegriff des existentialistischen Künstlers – jedoch immer mit seinen Werken haderte, wurde es wieder und wieder übermalt und einfach nicht fertig. Am Ende saß Lord während 18 Tagen Modell.

Der Film spielt folglich vor allem in Giacomettis Atelier, unterbrochen von Ausflügen ins Bistro, und würzt den zwangsläufig eher handlungsarmen Plot durch eine offen ausgelebte Beziehung des Künstlers zu einer Prostituierten und ein spannungsreiches Verhältnis zu Ehefrau Annette. Giacometti erscheint dabei wechselweise als seiner Kunst ergebener Eremit und Lebemann - in jedem Fall ein Getriebener.

"Final Portrait" © 2017 PROKINO Filmverleih GmbH
"Final Portrait" © 2017 PROKINO Filmverleih GmbHBild: "Final Portrait" © 2017 PROKINO Filmverleih GmbH

Klischees und Oberflächen

Das klassische Künstler-Klischee ist damit aufs Schönste erfüllt – und Regisseur Tucci begeht den Fehler, es genauso zu inszenieren. Auch wenn der reale Giacometti dem tatsächlich in hohem Maße entsprochen haben dürfte - der Künstler als permanenter Selbst-Zweifler, der grunzend und fluchend hinter seiner Staffelei sitzt und nie zufrieden ist mit dem, was er schafft, bleibt ein Abziehbild, wenn es nicht gelingt, auf der Leinwand wenigstens andeutungsweise zu zeigen, warum er so ist, was da dahinter steckt. Da nützt es auch nichts, daß Hauptdarsteller Geoffrey Rush dem Erscheinungsbild Giacomettis wirklich nahe kommt, nuanciert spielt und den Pinsel genauso anfasst, wie es James Lord beschrieben hat, denn der Film bleibt an solchen Oberflächen kleben - was besonders bitter ist, wenn die Hauptfigur ein Künstler ist, dem es gerade nicht um Oberflächen ging.

Silke Hennig, kulturradio

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