Schloss aus Glas © StudioCanal
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Drama - "Schloss aus Glas"

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2006 hat Jeanette Walls unter dem Titel "Schloss aus Glas" ihre Autobiografie veröffentlicht - ein Bestseller, den ihr Landsmann Destin Daniel Cretton nun verfilmt hat. Warum hat diese Familiengeschichte so viele Menschen begeistert?

Jeanette Walls (Brie Larson) hat es geschafft. Ihre scharfzüngigen Gesellschafts-Kolumnen werden gefeiert, die New Yorker High Society liegt ihr zu Füßen und ihr Verlobter, der vermögende Bankierssohn David (Max Greenfield), wartet sehnsüchtig auf die gemeinsame Hochzeit. Eines Abends, Jeanette und David sind gerade auf dem Heimweg von einer Party, laufen ihnen zwei angetrunkene Bettler vors Auto. Wie Jeannette mit Entsetzen feststellen muss, handelt es  sich dabei um ihre Eltern, von denen sie sich losgesagt hatte, die es aber mittlerweile auch nach New York verschlagen hat. Sie leben in einem Abbruchhaus und suchen im Müll nach Pfandflaschen. Die ganze Episode ist ihr zunächst schrecklich peinlich. Dann aber beschließt Jeannette, zu ihrer Familiengeschichte zu stehen und sich mit ihrer Vergangenheit auseinander zu setzen.

Schloss aus Glas © StudioCanal
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In Rückblenden erzählt Regisseur Destin Daniel Cretton ("Short Term 12") die Lebensgeschichte der Jeanette Walls, so wie diese sie in dem autobiographischen Roman "The Glass Castle" festgehalten hat. Die Kindheit: ein Nomadenleben mit zwei Eltern, die dieser Rolle einfach nicht gewachsen sind.  Vater Rex  (Woody Harrelson) ist ein Träumer und ein Trunkenbold; Mutter  Rose Mary (Naomi Watts) eine Hippie – Malerin und selbstvergessene Egoistin, die ihren Kindern auf die Bitte: "Mami ich hab Hunger" schon mal zur Antwort gibt: "Ein Bild ist für die Ewigkeit, mein Schatz. Das ist viel wichtiger als etwas zu essen"

Schloss aus Glas © StudioCanal
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Die Jugend: noch mehr Fahrerei auf der Suche nach einem Job für den Vater, schließlich der Umzug in dessen Heimat in die Berge West Virginias. In einem Abbruchhaus lebt die sechs- köpfige Familie. Oft gibt es keinen Strom, im Winter fehlt die Kohle zum Heizen und immer wieder haben die Walls nichts Ordentliches zu Essen, weil Rex das wenige Geld in der Kneipe vertrinkt. Trotzdem hält er an seinen phantastischen Geschichten fest: Ein Schloss aus Glas will er für seine Familie bauen, ein Versprechen, dass zum Sinnbild für die verkorkste Familien – Geschichte wird.

Erstaunlich unsentimental und mit beeindruckenden Bildern erzählt Cretton die Geschichte einer schwierigen Jugend, ohne dabei die guten Momente auszusparen: die abenteuerlichen Reisen, das Charisma des Vaters, wenn er mal nüchtern ist, der enge Zusammenhalt der vier Kinder gegen die Eskapaden der Eltern. Ganz am Ende, als der Abspann bereits läuft, wechselt der Film von der fiktionalen auf die dokumentarische Ebene: Die echte Rose Mary Walls taucht da kurz auf und sagt vor der Kamera ein paar Sätze - als Beweis dafür, dass Jeannette Walls ihren Frieden mit ihrer Familie gemacht hat. Der Film hätte das eigentlich gar nicht gebraucht, aber das amerikanische Kino hat eben seinen eigenen Regeln – und je authentischer eine Geschichte ist, desto besser verkauft sie sich.

Carsten Beyer, kulturradio

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