Filmstill: Die Nile Hilton Affäre
Bild: Port au Prince Pictures

Thriller - "Die Nile Hilton Affäre"

Bewertung:

Ein ebenso düsterer wie eleganter Thriller: Es geht um einen Mord an einer libanesischen Sängerin, die mit einem reichen Geschäftsmann eine Affäre hatte und ermordet wird.

Immer wieder lässt sich das Kino von realen Geschichten inspirieren. So auch in der schweizerisch-deutsch-dänischen Koproduktion "Die Nile Hilton Affäre". Es geht um einen Mord an einer jungen Frau, eine libanesische Sängerin, die mit einem reichen Geschäftsmann eine Affäre hatte und ermordet wird.

Weniger der Mord selbst als die Verquickung mit der Elite des Landes sorgte in der arabischen Welt 2009 für Aufregung. Der Auftraggeber, dem die Freizügigkeit seiner Geliebten ein Dorn im Auge war, saß in Kairo: ein Immobilienhai, millionenschwer und aufs Engste verbandelt mit der ägyptischen Regierung, was ihm absolute Immunität garantierte. Aus irgendwelchen Gründen wurde der Täter wird dann doch noch vom Polizeichef aus seinem Exil in der Schweiz zurückgepfiffen, für schuldig befunden und zum Tode verteilt. Nach der Revolution allerdings wird er wieder freigelassen.

Dreckiger Cop-Thriller

Regisseur Saleh macht daraus einen Genrefilm, einen dreckigen Cop-Thriller, der uns in die Abgründe Kairos im Jahr 2011 führt, der Vorabend der Revolution. Im Mittelpunkt steht Naredin, ein ebenso korrupter wie gelangweilter Polizist, der gerade durch familiäre Beziehungen befördert wurde. Als er zum Tatort ins Hilton Hotel gerufen wird, wo eine junge Sängerin mit durchschnittener Kehle liegt, bedient er sich selbst erst mal an ihrem Portemonnaie, während sein Kollege sich als erstes einen Krabbencocktail bestellt.

Eine zynische Welt, in der es kein Erschrecken gibt und schon gar kein Mitleid. Als die Ermittlungen kurz danach schon eingestellt werden sollen, weil die Sängerin sich angeblich selbst getötet hat und Naredin Besuch von einer schönen Freundin des Opfers bekommt, beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln.

Filmstill: Die Nile Hilton Affäre
© Port au Prince Pictures Bild: Port au Prince Pictures

Ein winziger Funke Moral und Anstand

Naredin – gespielt von dem schwedisch-libanesischen Schauspieler Fares Fares - ist ein einsamer Wolf, ein dunkler Typ ohne große Gefühlsregung, eigentlich genauso skrupellos wie seine Kollegen. Doch hat er sich einen winzigen Funken Moral und Anstand bewahrt und dieser Funke sorgt dafür, dass er sich über ungeschriebene Gesetze hinwegsetzt, vordringt in eine Welt, in der auch er nichts zu suchen hat: die Welt der Reichen, der Geld-Elite, die um ihre Privilegien bangt und bereit ist, mit allen Mitteln für deren Erhalt zu kämpfen.

Frauen ohne Chance

Auch wenn der Film 2011 spielt, sind die Demonstrationen auf dem Tahir Platz vor allem das bedrohliche Rauschen im Hintergrund, das die Korruption des Systems begleitet. Der Regisseur stellt bewusst keine Verbindung her. Da er selbst vom Dokumentarfilm komme, sagt er, habe er sich von den aktuellen Entwicklungen nicht beeinflussen lassen wollen und sei bei seiner Geschichte geblieben, die stringent aus der Perspektive des Polizisten erzählt wird.

Ganz stark spürbar aber ist das Beben der Stadt Kairo, ein düsterer Moloch. Deutlich wird auch die Kluft zwischen Arm und Reich und vor allem auch die Situation der Frau, die Gefangene bleibt: ob als schwarzes Dienstmädchen (die den Mord beobachtet hat und in den Slums von Kairo ihrem Chef davon erzählt, der wiederum versucht, daraus Profit zu schlagen) oder als begehrte Sängerin: In diesem korrupten patriarchalen System bekommen Frauen keine Chance.

Neutraler Blick

Saleh lebt schon lange in Schweden und weiß um die Gefahr, die für die Ägypter selbst von ihrer Polizei ausgeht. Alle hassen die Polizei, sagt er. Er selbst sei noch nie wirklich mit ihnen aneinander geraten, deshalb sei sein Blick eher neutral. In dieser Neutralität ist es ihm gelungen einen ebenso düsteren wie eleganten Thriller zu inszenieren, der während der Dreharbeiten von Kairo nach Marrakesch verlegt werden musste. Auf Anordnung der Staatssicherheit.

Carsten Beyer, kulturradio

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