Das Kongo-Tribunal © Realfiction
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Dokumentarfilm - "Das Kongo-Tribunal"

Bewertung:

Der Dokumentarfilm zeigt einen fiktiven internationalen Gerichtshof über den  Bürgerkrieg im Ost- Kongo. Gut gemeint, aber ...

Der Schweizer Theater-Regisseur Milo Rau ist ein Gerechtigkeits- Fanatiker. In Inszenierungen wie "Die Moskauer Prozesse", "Hate Radio" oder "City of Change" lässt er seine Protagonisten über die Welt zu Gericht sitzen und versucht dabei zu ergründen, welche konkreten Auswirkungen wirtschaftliche und politische Entscheidungen auf das Schicksal der Menschen haben. Der Dokumentarfilm "Das Kongo- Tribunal", bei dem er selbst Regie geführt hat, zeigt seine bislang bekannteste Arbeit – einen fiktiven internationalen Gerichtshof über den  Bürgerkrieg im Ost- Kongo.

Dieser Konflikt findet noch immer wenig internationale Beachtung, obwohl dabei in den letzten 20 Jahren mehr als 6 Millionen Menschen ums Leben gekommen. Im Kern geht es um die Frage: Wer kontrolliert die wertvollen Bodenschätze in der Region? Wer darf mit den großen internationalen Bergbaukonzernen Geschäfte machen, die dort Coltan, Gold und seltene Erden abbauen? Vor vier Jahren hat Milo Rau angefangen, in der Region zu recherchieren. Er hat 2015 zunächst ein Tribunal im Kongo selbst abgehalten, bei dem vor allem lokale Akteure vertreten waren. Einige Monate später gab es dann ein zweites Hearing in den Berliner Sophiensaelen –  unter anderem mit Vertretern der UN und einigen der im Kongo engagierten Firmen.

Das Kongo-Tribunal © Realfiction
Kunst von Tom of Finland; © 2017 Josef Persson/ Helsinki Filmi OyBild: Realfiction

"Das Kongo – Tribunal" fasst beide Veranstaltungen zusammen, ergänzt durch Interviews und dokumentarische Aufnahmen aus dem Ost – Kongo. Filmisch gesehen ist das ziemlich dröge Kost, denn obwohl Milo Rau bei den Tribunalen immerhin sechs Kameras hat aufstellen lassen, wirkt das Resultat in etwa so spannend wie eine Live- Übertragung aus der Bundespresse- Konferenz. Wirklich beeindruckend sind eigentlich nur die Außen- Aufnahmen, wenn Rau zum Beispiel ganz am Anfang Bilder aus dem Dorf Mutarule zeigt, in dem gerade ein Massaker verübt wurde. Aber das ist dann wiederum so grausam, dass man kaum hingucken kann.

Negativ wirkt sich auch die Kürze der Zeit aus: In knapp 2 Stunden werden viele Fragen nur angerissen, wirklich Schuldige werden kaum identifiziert. Hinzu kommt, dass der Film oft sehr unvermittelt hin - und herspringt: zwischen Bukavu und Berlin, zwischen sehr drastischen Dokumentaraufnahmen und eher abstrakten Plädoyers der Tribunal- Teilnehmer. Die Tragödie im Ostkongo hat auch etwas zu tun mit dem Konsumverhalten der Menschen in den Industrienationen – so viel ist am Ende klar, doch die tieferen Zusammenhänge bleiben im Verborgenen. Gut gemeint ist eben nicht gleich gut gemacht und nicht jeder Theaterregisseur ist auch ein guter Dokumentarist.

Carsten Beyer, kulturradio

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