Detroit © 2017 Concorde Filmverleih GmbH
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Drama - "Detroit"

Bewertung:

Rassenunruhen - Im Sommer 1967 eskaliert die Situation. In Detroit kommt es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Fünf Tage lang wüten Polizei und Nationalgarde gegen Schwarze. Kathryn Bigelow liefert ein zorniges Stück Kino! Oscarverdächtig?

Immer wieder erzählen amerikanische Filme von historischen Ereignissen, immer wieder steht ein großes Thema im Mittelpunkt: der alltägliche Rassismus. Regisseurin Kathryn Bigelow, bekannt für harte Themen wie die Jagd auf Obama Bin Laden in "Zero Dark Thirty" oder ihrem Oscar ausgezeichneten Film "Hurt Locker" über den Irakkrieg, nimmt sich in ihrem neuen Film den Rassenunruhen an: der Gewalt weißer Polizisten gegen Schwarze in der Autostadt Detroit vor 50 Jahren.

Detroit | John Boyega als Wachmann Melvin Dismukes © 2017 Concorde Filmverleih GmbH
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Die 60er Jahre in Amerika sind politisch aufgeheizte Jahre, in der die Ungleichheiten zwischen Weißen und Schwarzen, ihre jahrelange Unterdrückung und systematische Diskriminierung auf ihrem Höhepunkt sind. Im Sommer 1967 eskaliert die Situation. In Detroit kommt es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Fünf Tage lang wüten Polizei und Nationalgarde gegen Schwarze – sie werden gejagt, verhört, gedemütigt. Die Stimmung ist zum Zerreißen gespannt. Im Ergebnis wurden in diesen Tagen 7200 Menschen verhaftet. 1189 verletzt und 43 Menschen starben.

Kathryn Bigelow zieht uns direkt hinein in diese hyperangespannte Stimmung. Mit der Handkamera gedreht, mit dokumentarischen Filmaufnahmen unterlegt, befinden wir uns mitten in den Unruhen und Straßenkämpfen. Wir erleben die Nervosität der Polizisten, hilflose Politiker im Fernsehen, sind in dem Nachtclub, in dem eine junge afroamerikanische Band auf ihren ersten großen Auftritt wartet.

Detroit | Sänger Larry (Algee Smith) © 2017 Concorde Filmverleih GmbH
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Durchspielen, wie im Theater

Verschiedene Handlungsstränge laufen in dem Motel Algier zusammen. Denn von hier sind angeblich Schüsse gefallen. Die Polizei sucht nach den Verantwortlichen. Das Motel wird eine Nacht lang Schauplatz entsetzlicher Übergriffe von rassistischen Polizisten gegen junge Menschen, die sich nichts anderes haben zu Schulden kommen lassen als zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.

Kathryn Bigelow ist bekannt für ihre schonungslose Art des Geschichtenerzählens. Ihr Ziel ist immer, möglichst authentisch zu erzählen. Neben dem dokumentarischen Ansatz hat sie in "Detroit" in den entscheidenden Szenen – die im Flur des Motels spielen - überall Kameras aufgestellt, die alles aufzeichneten. Und sie unterbrach die Szenen nicht, sondern ließ durchspielen. Wie im Theater. Für Filmschauspieler ungewohnt und extrem herausfordernd. Diese Methode aber erzeugt eine hochtourige Energie, die sich auf den Zuschauer überträgt. 140 Minuten lang erleben wir verdichtet, was vor 50 Jahren in einer Nacht in dem Motel Algier geschah.

Ein zorniges Stück Kino

In ihren Vorbereitungen haben Bigelow und ihr  Drehbuchautor Marc Boal mit den Überlebenden dieser Nacht gesprochen und sie dann mit den jeweiligen Schauspielern in Verbindung gebracht. Ob der Sänger der "Dramatics" oder der schwarze Polizist, der versucht zu schlichten und dann selbst verdächtigt wird, die beiden jungen Mädchen – sie alle leiden heute noch unter diesem Trauma. Allein eine Figur ist fiktiv: der sadistische junge Polizist (Will Poulter): in seiner Figur bündelt Bigelow die Verhaltensweisen vieler Polizisten, so wie es ihre Recherchen ergeben haben.

Mit "Detroit" liefert Bigelow ein zorniges Stück Kino. Bigelow hat in einem Interview gesagt, sie wolle die Solidarität mit den Opfern von damals zeigen und alles geben, um ihnen und ihrer Geschichte gerecht zu werden. Es ist ihr beängstigend gut gelungen, diese Hölle spürbar zu machen. "Detroit" ist mit Sicherheit ein Kandidat für den Oscar.

Christine Deggau, kulturradio

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