Suburbicon; © 2017 Concorde Filmverleih GmbH/Hilary Bronwyn Gayle
Bild: 2017 Concorde Filmverleih GmbH/Hilary Bronwyn Gayle

Groteske - "Suburbicon"

Bewertung:

Der Film hätte ein Statement zur aktuellen Lage im Trump-Amerika sein können. Doch das war es wohl doch nicht, was Clooney wollte. Stattdessen eine Groteske, die in sich gut funktioniert, in bester coenscher Manier.

Das Regieführen war George Clooney immer schon ein Herzensanliegen war. Bei den Filmfestspielen in Venedig stellte er im September seinen sechsten Film vor, der morgen in unsere Kinos kommt: "Suburbicon".

Suburbicon; © 2017 Concorde Filmverleih GmbH/Hilary Bronwyn Gayle
Suburbicon; © 2017 Concorde Filmverleih GmbH/Hilary Bronwyn GayleBild: 2017 Concorde Filmverleih GmbH/Hilary Bronwyn Gayle

Das Grauen hinter der Idylle

In diesem Titel stecken die "Suburbs": die amerikanischen Vororte und "Con": der Betrug. Damit ist vorgegeben, worum es hier geht. Das Städtchen Suburbicon ist die Perfektionierung des Vorstadt-Traums: eine aus dem Boden gestampfte Siedlung mit identisch aussehenden Häuschen, gepflegten Vorgärten, schicken Autos, glücklichen Kindern, Frauen in Schürzen, die auf der idyllischen Veranda auf die Heimkehr des Mannes warten. Wir befinden uns in den 50er Jahren und das Bild, das Clooney hier zeichnet ist uns wohl bekannt. Aus vielen Filmen wie "Fargo" oder "Blue Velvet" wissen wir wohl, dass hinter dieser Idylle das Grauen zuhause ist.

Blutig, witzig, wahnsinnig, grotesk

Im Mittelpunkt steht Nicky, ein kleiner Junge, der begreifen muss, dass das Grauen sogar bei ihm zuhause lebt, in Gestalt seines Vaters. Eines Nachts nämlich wird die Familie brutal überfallen. Während Nickys Mutter nicht überlebt, rückt ihre Zwillingsschwester zügig an die Stelle der Verstorbenen – mit allem, was dazu gehört. Nicky ahnt, das Ganze war ein abgekartetes Spiel. Sein Vater selbst hat die zwei Killer engagiert, um an die Lebensversicherung der Mutter zu kommen. Das ist die eine Geschichte, die unverkennbar aus der Feder der Coen-Brüder stammt. Es wird blutig, witzig, wahnsinnig, es wird grotesk – die Dinge spitzen sich zu und landen doch immer auf dem Punkt. Sehr vergnüglich.

Suburbicon; © 2017 Concorde Filmverleih GmbH/Hilary Bronwyn Gayle
Suburbicon; © 2017 Concorde Filmverleih GmbH/Hilary Bronwyn Gayle | Bild: 2017 Concorde Filmverleih GmbH/Hilary Bronwyn Gayle

Zwei vermengte Drehbücher

Eigentlich aber plante George Clooney einen ganz anderen Film, zu dem er selbst das Drehbuch schrieb. Vorlage war die wahre Geschichte einer afroamerikanischen Familie, die Ende der 50er Jahre in einen amerikanischen Vorort zieht und dort mit dem Hass der Weißen konfrontiert wurde. Diese Familie aber hielt allem stand und gelangte so zu einer gewissen Berühmtheit.

Als dann die Coen-Brüder kamen und Clooney von einem Drehbuch erzählten, das schon länger bei ihnen in der Schublade läge, beschloss Clooney, beide Bücher zu vermengen. Das Ergebnis zeigt: das ging eindeutig auf Kosten seiner Ursprungsidee. Zwar gibt es die Familie auch in "Suburbicon", doch sie bleibt nicht mehr als ein Nebenschauplatz, was sich angesichts der aktuellen Brisanz, denken wir an die Gewaltausbrüche in Charlottesville vor einiger Zeit, merkwürdig anfühlt.

Der Film hätte ein Statement zur aktuellen Lage im Trump-Amerika sein können. Doch das war es wohl doch nicht, was Clooney wollte.

Bitterböse Kleinbürger-Farce

Stattdessen eine Groteske, die in sich gut funktioniert, in bester coenscher Manier. Es läuft einem kalt den Rücken herunter angesichts der selbstherrlichen Siegesgewissheit des Weißen Mannes, der meint, die Welt gehöre ihm. Matt Damon spielt diesen Familienvater: ein massiger Typ mit Kassengestell auf der Nase, der keine Skrupel kennt, sich nimmt, was er will - so eben auch die Zwillingsschwester seiner Frau, beide gespielt von Julianne Moore: ein Trudchen, die ihre Berufung darin sieht, es ihm recht zu machen. Bei dieser bitterbösen Kleinbürger-Farce bleibt einem das Lachen im Halse stecken.

Christine Deggau, kulturradio

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