"Forget about Nick"; © Martin Menke
Bild: Martin Menke

Komödie - "Forget about Nick"

Bewertung:

Margarete von Trotta hat sich seit den 90er Jahren vor allem durch historische Frauenbiografien – von "Rosa Luxemburg" bis zuletzt "Hannah Arendt" – einen Namen gemacht. Nun also eine Geschichte, die als Komödie annonciert ist, für Trotta ein neues Genre. Vom Thema aber bleibt sie sich treu: Wieder einmal geht es um zwei Frauen, die auf Umwegen miteinander verbunden sind. Dieser "Schwestern-Topos" zieht sich bei Trotta als roter Faden durch ihr Werk. Angefangen in den 90er Jahren mit "Christa Klages" oder "Die Balance des Glücks" bis 2015 in "Die abhandene Welt".

Wenig Verbindendes

Es sind zwei vollkommen unterschiedliche Frauen, die hier in einem riesigen modernen New Yorker Loft, das der Ex den beiden zu gleichen Teilen vermacht hat, wider Willen aufeinanderprallen: Die eine (Ingrid Bolso Berdal) ist Model und Karrierefrau, durchgestylt, verbissen, hadert mit ihrem Alter und bekommt ab und zu unkontrollierte Schreianfälle.

Die andere (Katja Riemann) ist eine promovierte Germanistin aus Berlin, kocht gut, ist schlau und cool, alleinerziehende Mutter und trägt bequeme Klamotten. Da ist wenig Verbindendes. Das einzige, was die beiden gemeinsam haben, ist derselbe Ex-Mann: Nick. Die eine hat schon vor zehn Jahren mit ihm abgeschlossen, die andere kann und will die noch sehr frische Trennung nicht begreifen. Leidet und kämpft. Das ist die Grundkonstellation.

Voller Klischees

Durchaus hätte Spannung aus den Gegensätzen hätte erzeugt werden können, doch der Film ist voller Klischees: die Wohnung, die Frauen, die Gespräche, die Klamotten. Alles ist leer. Genauso wie der Schmerz, der sich hier in Wut äußert. Und die Liebe ? Von ihr wird nur geredet. Man sieht sie nicht, man spürt sie nicht. Man sieht zwei Frauen, die sich nichts Gutes wollen und zusammen in diesem überdimensionierten Loft in New York bleiben, obwohl sie auch gehen könnten. Das ist weder stimmig, noch zu verstehen. Und auch Katja Riemann kann hier leider nichts retten.

Dazu kommt das Problem der Synchronisation. Da der Film auf Englisch gedreht wurde, musste alles nachsynchronisiert werden. Das irritiert ab dem ersten Moment und nimmt dem Film seine Unmittelbarkeit.

"Forget about Nick"; © Martin Menke
© Martin MenkeBild: Martin Menke

Ungeschorene Hauptfigur

Der Mann ist die eigentliche Hauptfigur. Um ihn kreist alles. Es ist seine Wohnung, es sind seine Ex-Frauen. Er taucht dann tatsächlich irgendwann auf. Ein Typ um die 60, der seine Frauen verlässt, kaum dass sie jenseits der 40 sind, um sich mit jungen Unterwäschenmodells einzulassen. Nur: Er kommt hier völlig ungeschoren davon. Sein Verhalten wird letztlich von allen akzeptiert. Nach dem Motto: du bist halt so, wir lieben dich trotzdem.

Diese unkritische Darstellung ist wie Verrat an den Frauenfiguren. Vor allem ist sie ein Ärgernis in dem Werk der sonst doch so bewussten, klugen und hoch geschätzten Margarethe von Trotta, der das Kino so viel zu verdanken hat und die mit ihren Filmen als eine der wenigen deutschen Regisseurinnen explizit weibliche Geschichtsschreibung vorangetrieben hat.

Christine Deggau, kulturradio

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