Alte Jungs © Camino Film
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Komödie - "Alte Jungs"

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Nuckes, Fons, Lull und Jängi haben genug davon, bevormundet zu werden. Die vier alten Männer wollen dem wahren Leben noch eine Chance geben ...

Das Alter ist heutzutage kein Grund mehr, sich unter unförmigen Gewändern, tristen Kittelschürzen und in dunklen Wohnungen zu verstecken und dort auf einen Gnadenbesuch der Kinder zu warten. Die älteren Generationen nehmen ihr Schicksal heute selber in die Hand und taugen damit auch immer häufiger zum Kinoheldentum. Aus allen Ländern strömen sie auf die Leinwände, egal ob sich eine Truppe von Engländern in fortgeschrittenem Pensionsalter ins indische "Best Exotic Marigold Hotel" absetzt oder ob der norwegische Hundertjährige aus dem Fenster steigt und verschwindet. Nun kommt eine Truppe silberhaariger Best-Ager aus Luxemburg in unsere Kinos, "Alte Jungs" heißt der Film von Andy Bausch.
Alte Jungs © Camino Film
© Camino FilmBild: Camino Film

Selbstbestimmtes Leben in der Alten WG

Die vier Jungs, die hier im Zentrum stehen ärgern sich darüber, dass sie wie kleine, unartige Kinder behandelt werden und ihre Bewegungs- und Handlungsfreiheit unablässig gegen enge Regelgrenzen verteidigen müssen. Zwar haben sie subversive Wege gefunden, um die Regeln zu unterlaufen, insbesondere der Alt-68er Nuckes, der geschmuggelte Zigaretten, Alkohol und Internetzugänge zu Pornokanälen organisiert und zum Geburtstag auch mal eine osteuropäische Prostituierte. Doch dann werden immer mehr dieser Freiräume gekappt und die "alten Jungs" beschließen den Widerstand, zunächst im Schrebergarten, bei den Kindern oder in der Garage. Von dort aus planen sie ein selbstbestimmtes Leben in der Alten WG, ein Haus ist schnell gefunden, nur mit der Finanzierung hapert es noch, Teamwork und subversive Ideen sind gefragt. Als dann ein riesiges Vintage-Wohnmobil zum Verkauf steht, kommt das Motiv der Bewegung ins Spiel, ganz ähnlich wie derzeit auch in dem Alzheimer-Drama "Das Leuchten der Erinnerung", in dem Helen Mirren und Donald Sutherland sich noch ein letztes Mal auf die Reise machen.

Keine Feelgood-Komödie

Während das Alter im Kino meist bunter, lebendiger und komischer geschildert als es im wirklichen Leben ist, wird es hier erstaunlich realistisch dargestellt und auf charmante Weise im gemächlich geduldigen Rhythmus des Alters. Während in Hollywood Stars wie Robert De Niro oder Jack Nicholson für den Glamour-Faktor sorgen, verkörpern hier weitgehend unbekannte Schauspieler aus Luxemburg glaubhafte Bewohner des Seniorenheims um die Ecke. Statt die Fallstricke des Alters als Feelgood-Komödie zu verkleiden, zeichnet Andy Bausch ein in jeder Hinsicht realistisches Bild des Alters und thematisiert auch die eher unerquicklichen Seiten ziemlich ungeschönt, changierend zwischen Resignation, Melancholie, Versöhnlichkeit und leiser Komik. So gibt Andy Bausch, der in seinen Filmen immer wieder ein großes Herz für die Außenseiter der Gesellschaft bewiesen hat, eine sehr praktikable Anleitung zum Widerstand gegen die Zumutungen des Alters und einer jugendwahn-gesteuerten Gesellschaft.

Anke Sterneborg, kulturradio

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