"Das Leuchten der Erinnerrung"; © 2017 Concorde Filmverleih GmbH
Bild: 2017 Concorde Filmverleih GmbH

Liebesdrama - "Das Leuchten der Erinnerung"

Bewertung:

Dieser erste englischsprachige Film von Paolo Virzi bewahrt den europäischen Blick, umgeht die große Tränendrüse-Geschichte und trifft den Kern jeder echten Liebe. Furchtlos und anrührend. Zum Lachen und Weinen.

Mit einem Nebenschauplatz beginnt dieses große Liebesdrama. Der erwachsenen Sohn fährt mit einem selbstgebackenen Kuchen in das Haus seiner Eltern – und findet das Haus leer vor. Der aufgeregte Anruf bei seiner Schwester, die Entdeckung, dass das Wohnmobil verschwunden ist – all das charakterisiert das Leben, das das alte Ehepaar Ella und John hinter sich gelassen hat. Die nämlich sind schon längst unterwegs: die Route 66 runter bis nach Key West zu dem Haus vom Hemingway, das John als ehemaliger Literaturprofessor immer schon einmal hatte besuchen wollen.

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Eigentlich sind sie ein ganz normales Ehepaar, das seit 50 Jahren verheiratet ist. Ella ist die Fürsorgliche, Plappernde, Kommunikative. John der eher zurückgezogene Bücherwurm, der als Mann das Steuer dieses riesigen Wohnmobils überantwortet bekommt. Doch bei näherer Betrachtung ist alles ein bisschen anders. Ella ist krebskrank und bei John wechseln echte Aussetzer sich ab mit Momenten hellsichtiger Klarheit und großer Zärtlichkeit. Es ist eine Reise, in der all das wertfrei gelebt werden darf. In der die Liebe dieser beiden alten Menschen noch einmal zum Leuchten gebracht wird.

Mehr als ein Roadmovie

Donald Sutherland ist heute selbst 82 Jahre alt. Er spielt das Alter in seinem letzten Aufbäumen angstfrei. Ohne Pathos. Und Helen Mirren steht ihm in nichts nach.  Beide bringen die Luft zum Flirren, zeigen, was Liebe heißt: einander festzuhalten. Das ist sehr bewegend, gerade weil es so lebensnah erzählt ist. Dieser Film ist mehr als ein Roadmovie, er ist großes Drama und Komödie.

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Paolo Virzi hatte keinerlei Ambitionen, in Amerika einen Film zu drehen. Nach seinem Erfolg von "Die süße Gier" aber bekam er unzählige Projekte angeboten. Erst "Das Leuchten der Erinnerung" konnte ihn locken, auch weil Sutherland und Mirren sofort zusagten. Virzi schrieb das Drehbuch um, nahm sein italienisches Team und zog für ein paar Wochen aus in das Amerika des Wahlkampfes von Trump und Clinton, der auch immer wieder im Hintergrund aufblitzt. Doch dieser erste englischsprachige Film von Paolo Virzi bewahrt den europäischen Blick, umgeht die große Tränendrüse-Geschichte und trifft den Kern jeder echten Liebe. Furchtlos und anrührend. Zum Lachen und Weinen.

Christine Deggau, kulturradio

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