Der andere Liebhaber © 2017 - Mandarin Production - Foz - Mars Films - Films Distribution - France 2 Cinéma - Scope Pictures /Jean-Claude Moireau
Bild: 2017 - Mandarin Production - Foz - Mars Films - Films Distribution - France 2 Cinéma - Scope Pictures /Jean-Claude Moireau

Erotik-Psycho-Thriller - "Der andere Liebhaber"

Bewertung:

Der neue Film des französischen Regisseurs François Ozon handelt von der jungen schönen Chloé, die an einer Depression leidet und sich in ihren Psychotherapeuten verliebt. Doch der hat ein dunkles Geheimnis.

In Filmen wie "Unter dem Sand, 5x2" oder "8 Frauen" hat der französische Regisseur François Ozon immer wieder Beziehungen und Gefühle auf die Probe gestellt, mit einem ganz besonderen Gespür für die Psyche schöner Frauen. Nachdem er sich in mehreren Filmen mit den Themen Tod und Trauer auseinandergesetzt hat, zuletzt in "Frantz", kehrt er jetzt in seinem neuen Film "Der andere Liebhaber" zu den Spielen der Liebe zurück. Die Geschichte basiert lose auf dem Roman "Lives of the Twins" (dt.: "Der Andere") von Joyce Carol Oates, den diese 1987 unter dem Pseudonym Rosamond Smith veröffentlichte.

Der andere Liebhaber © 2017 - Mandarin Production - Foz - Mars Films - Films Distribution - France 2 Cinéma - Scope Pictures /Jean-Claude Moireau
© 2017 - Mandarin Production - Foz - Mars Films - Films Distribution - France 2 Cinéma - Scope Pictures /Jean-Claude MoireauBild: 2017 - Mandarin Production - Foz - Mars Films - Films Distribution - France 2 Cinéma - Scope Pictures /Jean-Claude Moireau

Gefährliches Spiel mit Identitäten

Im Original heißt der Film "L’amant double", was so viel heißt wie "der doppelte Liebhaber" und tatsächlich konstruiert François Ozon einen Film der Doppelungen und Spiegelungen, eine Mènage a trois mit zwei Geliebten. Es beginnt mit der jungen Chloé Fortin, ein ehemaliges Model, seit langem quält sie sich mit mysteriösen Bauchschmerzen, für die es keine organische Erklärung gibt, weshalb sie einen Therapeuten aufsucht. Aus dem Verhältnis zwischen Arzt und Patient wird eine ebenso verbotene wie heilende Liebesbeziehung. Als die beiden zusammenziehen, stellt Chloé fest, dass sie nahezu nichts über ihren neuen Freund Louis weiß, in dessen Unterlagen sie einen Pass unter anderem Namen findet. Es stellt sich heraus dass er einen Zwillingsbruder hat, der ebenfalls Therapeut ist aber mit sehr viel aggressiveren Methoden arbeitet. Auch mit ihm beginnt sie eine Affäre, ein gefährliches Spiel mit Identitäten, in dem sich die Dynamik zwischen Opfer und Täter unablässig wandelt.

Der andere Liebhaber © 2017 - Mandarin Production - Foz - Mars Films - Films Distribution - France 2 Cinéma - Scope Pictures /Jean-Claude Moireau
Bild: 2017 - Mandarin Production - Foz - Mars Films - Films Distribution - France 2 Cinéma - Scope Pictures /Jean-Claude Moireau

Unverhohlen spielt François Ozon mit Motiven von Zwillingsfilmen anderer großer Regisseure wie David Cronenberg und Brian De Palma, und mit Querverweisen zu Alfred Hitchcock, einem erklärten Vorbild des Regisseurs. Trotz all dieser Bezüge zu anderen Regisseuren ist "Der andere Liebhaber" aber auch auf konsequente Weise ein Film von Ozon, der sich immer wieder mit Rollen- und Identitätsspielen befasst hat und auch das Thema Mutterschaft immer wieder ausgelotet hat.

Unterhaltsam und vergnüglich

Im Kontrast zu seinem sehr leisen und in Schwarz-Weiß gedrehten Film "Frantz" wirkt "Der andere Liebhaber" geradezu barock und überbordend, angefangen mit einem exzessiven Spiel mit dem Spiegel und Doppelgänger-Motiv. Wie bereits "Ricky" gelingt es ihm auch hier, spektakuläre Bilder zu schaffen, mit einer überraschenden Reise durch den Körper einer Frau beim Orgasmus: Die fleischliche Durchdringung zweier Menschen im Liebesakt und zugleich eine kühle, anatomische Exploration. Wie in Cronenbergs "Die Unzertrennlichen" werden die Zwillinge auch hier von einem Darsteller gespielt, dem Belgier Jérémie Renier, der durchaus glaubhaft unterschiedlich gestylt und im Umgang mit Chloé ein völlig unterschiedliches Temperament intoniert.

Chloé wird von Marine Vacth gespielt, einem Model, das François Ozon für seinen vorletzten Film "Jung und Schön" entdeckt hat: In der Dynamik der Ménage à trois ist sie verletzlicher Spielball im Netz der Männer, mal entschlossene Manipulateurin. Alles in allem ist "Der andere Liebhaber" keines der ganz großen Meisterwerke von Ozon, aber in seiner labyrinthischen Lust an den Bildern sehr unterhaltsam und vergnüglich.

Anke Sterneborg, kulturradio

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