"3 Tage in Quiberon"; © Rohfilm Factory / Prokino / Peter Hartwig
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68. Berlinale | Wettbewerb - "3 Tage in Quiberon"

Bewertung:

Nachdem am Wochenende mit Transit von Christian Petzold der erste deutsche Wettbewerbs-Beitrag lief, folgte gestern 3 Tage in Quiberon, der neue Film von Emily Atef.

Grundlage des Films ist ein legendäres Interview, das der Reporter Michael Jürgs 1981 in dem französischen Kurort Quiberon für den Stern mit Romy Schneider geführt hat und die Fotos, die der Fotograf Robert Lebeck dabei aufnahm. Darin verdichten sich in besonderer Weise das Leben und die Persönlichkeit von Romy Schneider, die damals innerlich und äußerlich in desolater Verfassung war – nach dem Selbstmord ihres Ex-Mannes, vor der nächsten Scheidung, mit vielen Millionen Schulden und einem Sorgerechtsstreit um ihren 14-jährigen Sohn.

Fragiles Verhältnis

Aus dem Wunsch der Öffentlichkeit und ihrem Sohn zu beweisen, dass sie ihr Leben im Griff hat, ließ sie sich auf ein gefährliches Spiel mit einem jungen, harten Reporter und seine unbequemen Fragen ein. Damit thematisiert der Film auch das fragile Verhältnis zwischen Star und Presse, zwischen Öffentlichem und Privaten, das sich in den mehr als dreißig Jahren seit Romy Schneiders Tod sehr viel volatiler geworden ist.

"3 Tage in Quiberon"; © Rohfilm Factory / Prokino / Peter Hartwig
Bild: Rohfilm Factory / Prokino / Peter Hartwig

Fiktion in schwarzweiß

Anstoß und wichtigste Inspiration für den Film waren die rund 20 veröffentlichten, aber auch viele hunderte unveröffentlichte Fotos, die der von Charly Hübner gespielte Starfotograf damals aufnahm und deren Stil den ebenfalls in schwarzweiß gedrehten Film stark geprägt hat.

Bei der Pressekonferenz musste Emily Atef immer wieder daran erinnern, dass die fast dokumentarische Wahrhaftigkeit des Films nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass er eine Fiktion sei, mit einer Dramaturgie, mit imaginierten Situationen und fiktiven Figuren.

Kandidatin für einen Schauspielerbären

Gespielt wird Romy Schneider von Marie Bäumer, die immer wieder auf ihre Ähnlichkeit mit der Schauspielerin angesprochen wird und sich gerade deshalb lange geweigert hat, sie zu spielen. Auf das riskante Abenteuer hat sie sich nun vor allem deshalb eingelassen, weil "3 Tage in Quiberon" kein klassisches Biopic ist, sondern eher die Momentaufnahme einer in vieler Hinsicht ungeschminkten Frau.

Statt krampfhaft die Legende zu kopieren, spielt Bäumer sich durchlässig und verletzlich in die Seelentiefen des Menschen hinein und bringt sich damit auch als erste Kandidatin für einen Schauspielerbären ins Spiel.

Anke Sterneborg, kulturradio

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Darüber sowie über die wichtigsten Filme und ihre Macher*innen berichten wir im kulturradio vom 15. bis zum 25. Februar 2018 täglich.