"7 Days in Entebbe"; © Liam Daniel
Liam Daniel
Bild: Liam Daniel Download (mp3, 5 MB)

68. Berlinale | Wettbewerb (außer Konkurrenz) - "7 Days in Entebbe"

Bewertung:

Wie bereits in früheren Werken nimmt Regisseur José Padilha wahre Begebenheiten zum Anlass, um die Themen Angst und Gewalt, Zerstörung und Selbstzerstörung zu reflektieren.

Es geht um die Entführung eines französischen Flugzeuges mit vielen israelischen Passagieren durch deutsche und palästinensische Terroristen im Sommer 1976 und die anschließende spektakuläre Befreiungsaktion in Entebbe, Uganda.

Regie hat der brasilianische Regisseur Jose Padilho geführt, der 2008 mit "Tropa Elite" in Berlin den goldenen Bären gewonnen hat. Sein besonderes Gespür für spannende Politthriller hat er bereits in Dokumentationen und Spielfilmen unter Beweis gestellt. Im Unterschied zu früheren amerikanischen und israelischen Filmen über diesen Terrorakt setzt er weniger auf Action, Drama und Konfrontation als auf die Beziehungsgeflechte und die Dynamik zwischen allen Beteiligten.

In Namen der Authentizität

Das Drama entsteht dem ständigen Wechsel der verschiedenen Perspektiven, zwischen den linksradikalen deutschen (Daniel Brühl und Rosamund Pike) und den palästinensischen Terroristen, den verschiedenen Lagern der Geiseln, den Soldaten im israelischen Trainingslager und Politikern wie Schimon Peres (Eddie Marsan) und Yitzhak Rabin (Lior Ashkenazi), die in den Konferenzräumen und Büros der israelischen Regierung die Risiken einer Militäraktion diskutieren.

Da müssen sich die deutschen vor den palästinensischen Terroristen rechtfertigen, dass sie aus Hass und nicht aus Liebe zu ihrem Land agieren, und wenn die Palästinenser die israelischen Passagiere getrennt gefangen halten, merkt Wilfried Böse wie gefährlich nah er damit den verhassten Nazis der Elterngeneration kommt.

Ein weiteres Element sind zwischengeschnittene Szenen einer dynamischen Tanztheateraufführung, in der dieselben politischen Themen mit künstlerischen Mitteln verhandelt werden. In Namen der Authentizität hat Jose Padilha durchgesetzt, dass Deutsche, Araber und Franzosen nicht wie üblich Englisch, sondern ihre eigenen Sprachen sprechen. Auf der gestrigen Pressekonferenz hat er erzählt, dass er den ganzen Film doppelt gedreht hat, zuerst schnell in Englisch und dann ein bisschen ausgefeilter in den Originalsprachen, womit er die Produzenten letztlich doch überzeugen konnte.

Anke Sterneborg, kulturradio

Mehr Berlinale

68. Berlinale – Plakatmotiv mit Bär; Montage: rbb
Berlinale

Berlinale | 15. - 25.02.2018 - 68. Internationale Filmfestspiele Berlin

Im Wettbewerbsprogramm konkurrieren 19 Filme um den Goldenen und Silbernen Bären, die am 24. Februar 2018 im Berlinale-Palast überreicht werden. #metoo – das Thema Missbrauch ist natürlich auch bei den 68. Internationalen Filmfestspielen Berlin präsent.

Darüber sowie über die wichtigsten Filme und ihre Macher*innen berichten wir im kulturradio vom 15. bis zum 25. Februar 2018 täglich.