"Ang Panahon ng Halimaw"; © Giovanni D. Onofrio
Bild: Giovanni D. Onofrio

68. Berlinale | Wettbewerb - "Ang Panahon ng Halimaw"

Bewertung:

Regisseur Lav Diaz bezeichnet seinen Film als "philippinische Rockoper". Der Regisseur, der als Chronist der Traumata seines Landes gilt, hat dafür selbst die Liedtexte geschrieben. Mit "Ang Panahon ng Halimaw" kehrt Diaz in die 70er Jahre zurück.

In dem kleinen Dorf Ginto im Süden der Philippinen hat eine bewaffnete Bürgerwehr die Herrschaft übernommen. Im Auftrag des despotischen Capitan Narciso terrorisieren sie die Bevölkerung. Die junge Ärztin Lorena Haniway (Shaina Magdayo), die nach Ginto gekommen ist, um hier ein Krankenhaus für notleidende Bevölkerung zu eröffnen, gerät schon bald ins Visier der Milizionäre. Während sie gefangen genommen, vergewaltigt und schließlich ermordet wird, gibt sich ihr Ehemann, der Dichter Hugo Haniway (Piolo Pascual), in der gemeinsamen Stadtwohnung dem Alkohol hin. Erst als ihn eine Seherin ermahnt, dass er nur mit Gedichten die Geschicke seines Landes nicht wird ändern können, macht auch er sich auf den Weg nach Ginto …

"Ang Panahon ng Halimaw"; © Giovanni D. Onofrio
Bild: Giovanni D. Onofrio

Mit "Ang Panahon ng Halimaw – In Zeiten des Teufels" führt der philippinische Regisseur Lav Diaz zurück die Zeit der Militärherrschaft unter dem Diktator Ferdinand Marcos. Gleichzeitig ist sein Film aber auch eine Warnung vor dem Aufkommen eines neuen Faschismus in seinem Land. Schließlich ist dort mit Rodrigo Duerte ein Mann an der Macht, der auf paramilitärische Einheiten setzt und dem die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit herzlich egal sind.

Kein konventioneller Musikfilm

Lav Diaz ist einer der bekanntesten Vertreter des "Slow Cinema". Er arbeitet mit sehr langen Einstellungen, epischen Erzählstrukturen und vielen Wiederholungen eines bestimmten Themas. Poetische Bilder aus dem philippinischen Regenwald wechseln sich ab mit merkwürdig hölzernen Spielszenen, die an schlecht geprobtes Laienthater erinnern. Auch wenn "In Zeiten des Teufels" mit 234 min Länge für Diaz‘ Standards geradezu kurz ausgefallen ist, kann das für den Zuschauer mitunter quälend sein. Hinzu kommt, dass die Dialoge fast ausschließlich in gesungener Form vorgetragen werden. Gerade noch ist Lorena von ihren Peinigern auf bestialische Weise gequält worden, da singt sie mit Ihnen zusammen im Chor. Eine Rockoper hat Lav Diaz seinen Film genannt, doch mit einem konventionellen Musikfilm hat er nur wenig gemein.

Lav Diaz ist in den letzten Jahren mit Filmpreisen regelrecht überhäuft worden: In Locarno hat er den "Golden Leoparden" gewonnen, in Venedig den "Goldenen Löwen" und in Berlin vor zwei Jahren den renommierten Alfred Bauer – Preis. Man muss sich fragen, ob bei den Entscheidungen der Jurys tatsächlich die Qualität seiner Filme im Mittelpunkt stand oder nicht vielleicht doch eher die Sehnsucht nach einem gänzlich anderen Kino, weit weg vom Mainstream.

Carsten Beyer, kulturradio

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Berlinale | 15. - 25.02.2018 - 68. Internationale Filmfestspiele Berlin

Im Wettbewerbsprogramm konkurrieren 19 Filme um den Goldenen und Silbernen Bären, die am 24. Februar 2018 im Berlinale-Palast überreicht werden. #metoo – das Thema Missbrauch ist natürlich auch bei den 68. Internationalen Filmfestspielen Berlin präsent.

Darüber sowie über die wichtigsten Filme und ihre Macher*innen berichten wir im kulturradio vom 15. bis zum 25. Februar 2018 täglich.