"Black 47"; © Fastnet Films
Fastnet Films
Bild: Fastnet Films Download (mp3, 5 MB)

68. Berlinale | Wettbewerb (außer Konkurrenz) - "Black 47"

Bewertung:

In Black 47 behandelt der Ire Lance Daly ein grausames, aber auch relativ unbekanntes Kapitel der irischen Geschichte, die große Hungersnot 1845 bis 1849 in Folge massiver Ernteausfälle durch die Kartoffelfäule.

In fünf Jahren verhungerte mit 1,5 Millionen Menschen ein Viertel der irischen Bevölkerung, eine weitere Million Auswanderer suchten ihr Glück in Amerika.

Daly verdichtet die vielen Jahre des Hungers auf einige Tage im Jahr 1847, verengt den Blick auf die Gegend Connemara, die besonders stark in den irisch keltischen Traditionen verwurzelt ist und destilliert aus der historischen Feindschaft zwischen den Iren und der ausbeuterischen britischen Regierung eine persönliche Rachegeschichte.

Schlüsselfigur ist der Ire Feeney (James Frecheville), der in Afghanistan für die Briten gekämpft hat und als Deserteur in eine Heimat zurückkehrt, in der das Grauen noch viel größer ist als im gerade erlebten Krieg. Seine Mutter ist verhungert, sein Bruder wegen einer Lappalie aufgehängt, seine Schwester und deren Kinder erfrieren in einem Haus, von dem britische Regierungsbeamte trotz Eiseskälte das Dach abgerissen haben.

Ausgehend von der Polizeiwache beginnt Feeney einen gewalttätigen Rachefeldzug gegen alle, die Schuld am Untergang seiner Familie und am Leiden seines Volkes haben. Armee und Polizei setzen den alten, britischen Haudegen und Spurenleser Hannah (Hugo Weaving) auf ihn an.  

Archaische Wucht

Atemraubende Verzweiflung legt sich wie ein erstickender Nebel über die Szenerien. Doch mit Feeneys Rachefeldzug wandelt sich das Historiengemälde zum grimmigen Western, in dem ein englischer Gutsherr (Jim Braodbent) auch mal zynisch kundtut, dass er hoffe, dass es in Irland mal so wenig keltische Iren gebe wie Rothäute in Manhattan.

Im Duell der beiden Kriegsveteranen entwickelt der Film eine archaische Wucht. Ihre englische und irische Herkunft macht sie zu Gegnern, die gemeinsam Kriegserlebnisse und ein altmodisches Verständnis von Ehre und Gerechtigkeit machen sie zu Verbündeten.

Anke Sterneborg, kulturradio

Mehr Berlinale

68. Berlinale – Plakatmotiv mit Bär; Montage: rbb
Berlinale

Berlinale | 15. - 25.02.2018 - 68. Internationale Filmfestspiele Berlin

Im Wettbewerbsprogramm konkurrieren 19 Filme um den Goldenen und Silbernen Bären, die am 24. Februar 2018 im Berlinale-Palast überreicht werden. #metoo – das Thema Missbrauch ist natürlich auch bei den 68. Internationalen Filmfestspielen Berlin präsent.

Darüber sowie über die wichtigsten Filme und ihre Macher*innen berichten wir im kulturradio vom 15. bis zum 25. Februar 2018 täglich.