"Call Me By Your Name"; © 2017 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
2017 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
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Drama - "Call Me by Your Name"

Bewertung:

Fast wie in einem Stummfilm erzählt Luca Guadagnino in "Call Me By Your Name" (Berlinale 2017 | Panorama Special) ein Liebesdrama mit großer erzählerischer Kraft.

Italien, im Sommer 1983: Der siebzehnjährige Elio Perlman (Timothée Chalamet) lebt mit seinen Eltern in der Familien-Villa im Norden von Italien. Obwohl er eine sehr behütete Kindheit hat und viele Freunde um sich herum, langweilt er sich in der Abgeschiedenheit der Provinz. Nichts will ihm wirklich Spaß machen und er weiß nicht so recht, wohin mit sich und seiner Sexualität.

Das alles ändert sich schlagartig, als Oliver (Armie Hammer) ins Haus kommt: ein amerikanischer Austauschstudent, gutaussehend und sehr selbstbewusst. Eigentlich soll Oliver Elios Vater (Michael Stuhlbarg) bei dessen archäologischen Studien unterstützen, er entwickelt aber schon bald auch Interesse am Sohn des Hauses. In der Hitze des italienischen Sommers entwickelt sich ein Katz und Maus – Spiel zwischen den beiden jungen Männern: Sie umschleichen sich, sie beschnuppern sich, sie testen aus, ob der Andere auch wirklich auf Männer steht …

"Call Me By Your Name"; © 2017 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
Bild: 2017 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Große erzählerische Kraft

"Call me by your name" ist ein Liebesdrama mit großer erzählerischer Kraft. Fast wie in einem Stummfilm erzählt Luca Guadagnino die Geschichte der Annäherung zunächst vor allem über Blicke und Gesten. Eine sexuelle Spannung wird aufgebaut, die nach ihrer Erfüllung in eine tiefere, intellektuelle Ebene übergeht. Schließlich, im letzten Teil des Films, die Katharsis: Der Sommer ist vorbei, Oliver muss zurück in die USA. Zurück bleibt ein tieftrauriger, aber gereifter Elio, dessen Leben sich für immer verändert hat.

Literarische Vorlage

Für seinen "Sundance" – Überraschungserfolg hat der italienische Regisseur Luca Guadagnino den gleichnamigen Roman des US-Schriftstellers André Aciman verfilmt. Dabei hält sich Guadagnino im Großen und Ganzen an die literarische Vorlage – bis auf das Ende: Während der Film mit dem wehmütigen Abschied der beiden Liebenden am Ende des Sommers aufhört, gibt es im Buch noch eine zusätzliche zeitliche Ebene in der Gegenwart.

Oliver ist Professor in den USA und lebt ein bürgerliches Leben mit Frau und zwei Kindern. Die Erinnerung an diesen heißen Sommer in Italien ist für ihn nur noch ein ferner Traum. Elio hingegen hält an seiner Überzeugung fest: Wenn Du einen Menschen liebst, dann hast Du keine Wahl – dann musst Du dich ihm voll und ganz hingeben. Ein wahres Leben im falschen kann es für ihn nicht geben.

Carsten Beyer, kulturradio