"Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot"; © 2018 AMAZON CONTENT SERVICES LLC / Scott Patrick Green
2018 AMAZON CONTENT SERVICES LLC / Scott Patrick Green
Bild: 2018 AMAZON CONTENT SERVICES LLC / Scott Patrick Green Download (mp3, 4 MB)

68. Berlinale | Wettbewerb - "Don't worry, He won't get far on foot"

Bewertung:

Gestern hatte Gus Van Sants biografisches Drama "Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot" seine Premiere. Der Film basiert auf den Memoiren des Cartoonisten John Callahan.

Mit "Don’t worry, the will not get far on foot" war gestern im Wettbewerb der neue Film von Gus van Sant zu sehen, ein Regisseur, der auch schon zu den Stammgästen des Festivals gehört. Vor 5 Jahren war er hier mit "Promised Land" vertreten. In  "Don’t worry, the will not get far on foot" erzählt er basierend auf der Autobiografie von John Callahan die Lebensgeschichte des Comiczeichners.

Weckruf

Dabei konzentriert er sich auf ein Kapitel dieser Memoiren, in dem die dramatische Lebenswende nach einem schweren Autounfall thematisiert wird, in dessen Folge Callahan querschnittgelähmt an den Rollstuhl gefesselt war. Nach dem Unfall ist sein maßloses Selbstmitleid, das er in ungeheuren Alhoholmengen ertränkt, zunächst noch schlimmer; doch dann wird der Schicksalsschlag zum Weckruf, der die Wende bringt.

Entsprechend ist das auch keinesfalls ein schwermütiges Drama, sondern eine warmherzige, optimistische und energiestrotzende Geschichte, die Gus van Sant vom Ende her aufrollt. Da erzählt Callahan vor großem Publikum sein Leben als Erfolgsgeschichte, als Standup-Comedian im Rollstuhl sitzend, mit einer sehr ausladenden und selbstbewussten Ausstrahlung.

"Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot"; © 2018 AMAZON CONTENT SERVICES LLC / Scott Patrick Green
Bild: 2018 AMAZON CONTENT SERVICES LLC / Scott Patrick Green

DNA des Films

Von da ausgehend springt der Film dann immer wieder zwischen dieser Bühnensituation zum kleineren Kreis der anonymen Alkoholiker, wo Callahan die entscheidenden Anstöße bekommt. Wie ein Puzzle aus lauter Szenen, Begegnungen und Gesprächen setzt sich sein Leben zusammen. Dabei prägen der Humor, die Persönlichkeit und das Temperament von Callahan den ganzen Film. Das Abgehackte, Ungezügelte, Sprühende und Sprunghafte des Cartoonisten wird über Schnitt und Ton, über den Erzählrhythmus und die verspielt hüpfende Musik von Danny Elfman zur DNA des Films.

Immer wieder sind die charakteristischen Krakel-Cartoons eingestreut. Der lakonische Filmtitel "Keine Sorge, zu Fuß kommt der nicht weit" ist einer der Strichzeichnungen entlehnt und verdeutlicht, dass Callahan seinen bösen, oft völlig politisch unkorrekten Humor auch gegen sich selbst gerichtet hat.

Funkelnde Puzzleteile

Nach dem Tod von Robin Williams, der den Stoff ursprünglich erworben hatte und Callahan auch selber spielen wollte, hat jetzt Joaquin Phoenix den Part übernommen. Auf dem Weg vom depressiven Alkoholiker zum bewunderten Mann spielt er das überbordende Extrovertierte ebenso aus, wie die leiseren inneren Töne.

Um Joaquin Phoenix herum versammelt sich eine schillernde Schar von Schauspielern, Komiker, wie Jonah Hill und Jack Black, dazu noch Udo Kier, die Sängerin Beth Ditto und die Charakterdarstellerin Rooney Mara, die alle weitere funkelnde Puzzlesteine eines Films sind, der sehr phantasievoll, aber auch sehr emotional und berührend ist.

 

Anke Sterneborg, kulturradio

mehr berlinale

68. Berlinale – Plakatmotiv mit Bär; Montage: rbb
Berlinale

Berlinale | 15. - 25.02.2018 - 68. Internationale Filmfestspiele Berlin

Im Wettbewerbsprogramm konkurrieren 19 Filme um den Goldenen und Silbernen Bären, die am 24. Februar 2018 im Berlinale-Palast überreicht werden. #metoo – das Thema Missbrauch ist natürlich auch bei den 68. Internationalen Filmfestspielen Berlin präsent.

Darüber sowie über die wichtigsten Filme und ihre Macher*innen berichten wir im kulturradio vom 15. bis zum 25. Februar 2018 täglich.