"Eva"; © 2017 MACASSAR PRODUCTIONS – EUROPACORP – ARTE France CINEMA – NJJ ENTERTAINMENT – SCOPE PICTURES / Guy Ferrandis
2017 MACASSAR PRODUCTIONS – EUROPACORP – ARTE France CINEMA – NJJ ENTERTAINMENT – SCOPE PICTURES / Guy Ferrandis
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68. Berlinale | Wettbewerb - "Eva"

Bewertung:

Über 50 Jahre nach Joseph Losey verfilmte Benoit Jacquot den Roman des britischen Schriftstellers James Hadley Chase erneut und inszeniert ihn als Konversationsstück über die moralischen Abgründe in der Welt der Reichen und Schönen.

Bertrand (Gaspard Ulliel) ist ein junger Stricher, der durch einen Zufall zu literarischen Ehren gekommen ist. Als einer seiner Gönner starb – ein greiser Dramatiker – hat er dessen letztes, gerade fertig gestelltes Theaterstück unter eigenem Namen veröffentlicht. Das Stück war ein Riesenerfolg – doch wie geht es nun weiter? Sowohl Bertrands Freundin Caroline (Julia Roy) als auch sein Verleger Regis (Richard Berry) wollen bald ein neues Stück sehen, nur Bertrand fällt nichts ein.

Erotisches Verwirrspiel

Inspiration erhofft sich Bertrand von der Begegnung mit der mysteriösen Eva (Isabelle Huppert), einer Prostituierten, die er einiges Tages zufällig im Ferienhaus von Carolines Eltern kennenlernt. Zwischen dem jungen Mann und der erfahrenen Domina entwickelt sich ein erotisches Verwirrspiel. Beide haben ein Geheimnis – er gibt vor, ein großer Dramatiker zu sein, sie spielt die Frau von Welt und versteckt dabei, dass sie mit ihrem Job ihren kranken Mann im Knast durchbringen muss.

Verworrene Dramaturgie

Eigentlich – so sieht es die Romanvorlage von James Hadley Chase vor – soll das Ganze ein Katz-und-Maus-Spiel sein, ein Geflecht von wechselseitigen Abhängigkeiten und großem Begehren. Nur leider kommt es im Film nie dazu, denn dafür ist die Dramaturgie von Regisseur Benoit Jacquot viel zu verworren.

Erzählstränge fangen unvermittelt an und enden im Nichts, Charaktere werden umständlich eingeführt und spielen auf einmal keine Rolle mehr – und selbst die Grundbehauptung des Films, dass nämlich der junge Mann die Nähe der älteren Frau sucht, weil er bei ihr die Inspiration für ein neues Theaterstück sucht, spielt am Ende überhaupt keine Rolle mehr.

Carsten Beyer, kulturradio

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68. Berlinale – Plakatmotiv mit Bär; Montage: rbb
Berlinale

Berlinale | 15. - 25.02.2018 - 68. Internationale Filmfestspiele Berlin

Im Wettbewerbsprogramm konkurrieren 19 Filme um den Goldenen und Silbernen Bären, die am 24. Februar 2018 im Berlinale-Palast überreicht werden. #metoo – das Thema Missbrauch ist natürlich auch bei den 68. Internationalen Filmfestspielen Berlin präsent.

Darüber sowie über die wichtigsten Filme und ihre Macher*innen berichten wir im kulturradio vom 15. bis zum 25. Februar 2018 täglich.