"Khook"; © Dark Precursor Productions
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68. Berlinale | Wettbewerb - "Khook"

Bewertung:

Der zweite Wettbewerbs-Beitrag gestern war der iranische Film "Khook" ("Schwein") von Mani Haghighi, dessen Filme bisher im BERLINALE-Forum liefen und vor zwei Jahren mit "A Dragon Arrives" auch schon im Wettbewerb.

Iran gehört zu den Ländern, in denen Filmemacher zur Zeit unter starkem politischem Druck stehen und oft mit Berufsverbot oder Hausarrest belegt werden. Dieses Problem mit der Filmzensur packt Haghighi ganz frontal bei den Hörnern. So wütet in Teheran ein Serienkiller, der es gezielt auf Filmregisseure abgesehen hat, denen er den Kopf abhackt, nachdem er das Wort "Khook" ("Schwein") in einer blutigen Spur in ihre Stirn geritzt hat. Eines der Opfer ist auch der Regisseur dieses Films.

Im Zentrum steht der mit Arbeitsverbot belegte Filmregisseur Hassan, der eine ziemlich klägliche Figur abgibt und sich wie ein schmollendes, tobendes, eifersüchtiges Kleinkind verhält – sich unter anderem vom Killer in seiner Berufsehre verletzt fühlt, woraufhin seine Mutter ihn tröstet, er sei eben der beste Regisseur und würde nur deshalb bis zum Schluss aufgehoben.

"Khook"; © Dark Precursor Productions
Bild: Dark Precursor Productions

Schrille Polit- und Medienfarce

"Khook" ist der größtmögliche Kontrast zu den leisen, geschmuggelten Wahrheiten, die man von berühmten Kollegen wie Asgar Farhadi und Jafer Panahi kennt. Mani Haghaghi verpackt die Restriktionen seines Landes in eine schrille Polit- und Medienfarce mit vielen schönen Frauen und einigen recht unattraktiven Männern.

Die Schauspieler chargieren ausgelassen, knallige und bunte Phantasiekostüme aus dem Film, den Hassan gerade dreht, springen geradezu aus der Leinwand, in einem knalligen Mix aus Travestie, Burlesque, Slapstick und Satire. Auf enervierende Weise geht Mani Haghighi in die Offensive, versteckt seine Kritik in gewisser Weise im grellen Licht des Überdeutlichen.

Anke Sterneborg, kulturradio

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Im Wettbewerbsprogramm konkurrieren 19 Filme um den Goldenen und Silbernen Bären, die am 24. Februar 2018 im Berlinale-Palast überreicht werden. #metoo – das Thema Missbrauch ist natürlich auch bei den 68. Internationalen Filmfestspielen Berlin präsent.

Darüber sowie über die wichtigsten Filme und ihre Macher*innen berichten wir im kulturradio vom 15. bis zum 25. Februar 2018 täglich.