"Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot"; © 2017 Philip Gröning
Bild: Philip Gröning

68. Berlinale | Wettbewerb - "Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot"

Bewertung:

Ein Zwillingspaar steht im Zentrum von Philip Grönings Coming-of-Age-Film: Robert und Elena sind kurz vor dem Abitur. Sie sind verbunden durch Rituale und Spiele – ein symbiotisches Verhältnis zwischen Anziehung und Abstoßung, das durch eine Wette in unberechenbare Dynamik gerät.

Elena (Julia Zange) ist 19, bereitet sich gerade auf ihr Abi vor und möchte anschließend studieren. Ihr Zwillingsbruder Robert (Josef Mattes) hat dagegen die Schule abgebrochen und weiß noch nicht so genau, was er mit seinem Leben anfangen will. Am letzten Wochenende vor Elenas Abi wollen die Zwillinge eigentlich gemeinsam für die Prüfung lernen, doch dann kommt alles ganz anders.

Karges Szenario

"Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot" ist ein Coming-of-Age-Drama: die Geschichte von zwei Geschwistern, die an der Klippe zum Erwachsen-werden stehen und Angst vor dem Absprung haben. Und es ist ein Film über die Zeit. Denn die philosophischen Konzepte, die sich Elena und Robert aus ihren Büchern vorlesen, versucht Regisseur Phillip Gröning auf der Leinwand umzusetzen: "Der Sinn des Seins ist die Zeit",  "Der Grund der Zeit ist die Hoffnung" – Heidegger, Brentano und Sankt Augustinus lassen grüßen.

Doch je länger der philosophische Grundkurs dauert, desto mehr stellt sich beim Zuschauer Unruhe ein. Das karge Szenario – eine Tankstelle, wogende Kornfelder und im Hintergrund ein Alpenpanorama – kann die Spannung nicht halten, die hier aufgebaut werden soll. Und die beiden Hauptdarsteller (beide in ihrer ersten großen Kinorolle) sind der schauspielerischen Tour de Force ebenfalls nicht gewachsen.

"Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot"; © 2017 Philip Gröning
Bild: Philip Gröning

Grandios gescheitert

Erst am Ende, als man schon gar nicht mehr damit rechnet, explodiert die geschwisterliche Idylle: Vergewaltigung, Mord und Inzest symbolisieren den Einbruch der Gegenwart in das Leben der beiden Hauptfiguren – gewissermaßen das Ende der Zeit. Doch die Gewaltorgie ist so abstrakt und künstlich, dass dabei die Meta-Ebene verlorengeht. Zurück bleiben – anstatt Schock und Erkenntnis – Ratlosigkeit und Genervtheit.

Phillip Gröning ist mit "Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot" hoch gesprungen und grandios gescheitert. Am Ende bleibt dem Zuschauer nur die Erkenntnis, dass er gerade drei Stunden seiner eigenen Lebenszeit verschwendet hat.

Carsten Beyer, kulturradio

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