"Museo"; © Alejandra Carvajal
Alejandra Carvajal
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68. Berlinale | Wettbewerb - "Museo"

Bewertung:

Der mexikanische Berlinale-Wettbewerbsfilm "Museo" basiert auf einer wahren Begebenheit im Jahr 1985. Die Studenten Juan und Wilson und rauben im Nationalmuseum für Anthropologie in Mexiko-Stadt Heiligtümer der Maya, Mixteken und Zapoteken – eine Unternehmung, die schnell aus dem Ruder läuft.

Im Spielfilmdebüt des mexikanischen Regisseurs geht es um einen legendären Kunstraub im Nationalmuseum von Mexico City im Jahr 1985, wenige Wochen nach dem großen Erdbeben. Am Weihnachtsabend wurde ein ganzer Raum mit kostbarsten Kunstschätzen der Maja ausgeräumt. In der Presse war von einer internationalen Bande von 20 professionellen Kunsträubern die Rede, in Wirklichkeit waren es nur zwei eher harmlose Jungs, der Kunststudent Juan (Gael Garcia Bernal), der im Museum gejobbt hat, und sein Freund.

Suche nach Identität

Die weltbekannten und unschätzbaren Kunstschätze, für deren Wiederbeschaffung 50 Millionen Belohnung ausgesetzt waren, haben sie recht dilettantisch für eine Million angeboten. Zum Zeitpunkt des Raubs war der Regisseur gerade mal 7 Jahre alt. Das reale Ereignis  ist für ihn vor allem der Rahmen für eine Geschichte über die Jugend, über Hoffnungen, verlorene Träume und die Suche nach Identität.

"Museo"; © Alejandra Carvajal
Bild: Alejandra Carvajal

Charmantes Spiel

Zugleich ist der Film aber auch ein Spiel mit dem Wert der Kunst, der auf dem Weg, den die Kunstschätze im Lauf der Geschichte zurücklegen, immer wieder in Frage gestellt und diskutiert wird. Mal liegen sie im Sand verstreut und werden von Kindern als Sandburg-Deko benutzt. Mal geht es darum, wem die in der Kolonialzeit gesicherten Werke überhaupt gehören. Und seit die Kunstwerke verschwunden sind, strömen die Zuschauer in Scharen ins Museum, um die leeren Vitrinen zu bestaunen.

Alles in allem sicher kein ganz großes Kino, aber ein charmantes Spiel, ein großer Kunstraub als Jungenstreich, zu dem es passte, dass Gael Garcia Bernal sehr jungenhaft vergnügt in die bereits laufende PK platzte, weil sein Flugzeug Verspätung hatte.

Anke Sterneborg, kulturradio

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Darüber sowie über die wichtigsten Filme und ihre Macher*innen berichten wir im kulturradio vom 15. bis zum 25. Februar 2018 täglich.