"Shape of Water"; © 2017 Twentieth Century Fox
2017 Twentieth Century Fox
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Fantasy - "Shape of Water – Das Flüstern des Wassers"

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"The Shape of Water" heißt der neue Film von Guillermo del Toro Gómez. Der Film über die Liebe zwischen einer gehörlosen Frau und einer Amphibien-Kreatur wurde bei den Filmfestspielen von Venedig uraufgeführt und mit dem Goldenen Löwen belohnt.

Mit der Comicverfilmung "Hellboy" und dem Fantasydrama "Pan’s Labyrinth" hat sich der Mexikaner Guillermo del Toro als Meister des düsteren Horrormärchens etabliert. Seit "Shape of Water" auf dem Filmfestival in Venedig mit dem goldenen Löwen ausgezeichnet wurde, nimmt sein neuestes Werk zielstrebig Kurs auf die Oscar-Verleihung, wo er mit 13 Nominierungen als großer Favorit gilt.
 

Rigide, beklemmende Welt

Wie in den meisten Filmen von Guillermo del Toro, beginnt es auch hier in einer rigiden, beklemmenden Welt, von der ausgehend er vielfältige Schlupflöcher für die Fantasie baut. Nach dem spanischen Bürgerkrieg in "Pans Labyrinth" und dem Nationalsozialismus in "Hellboy" spielt "Shape of Water" in den frühen sechziger Jahren, im kalten Krieg, in einem hermetisch abgeriegelten, amerikanischen Militärlabor. Erzählt wird aus der Perspektive der stummen Elisa.

Am Anfang des Films wird ein Tank mit einem mysteriösen Wassermann, einem schimmernden Amphibienwesen aus dem Amazonas in diesen unterirdischen Hochsicherheitstrakt geliefert. Während diese Kreatur für die Regierungsagenten nur ein Forschungsobjekt ist, das sie lieber töten als es den Russen in die Hände fallen zu lassen, übt es auf Eliza eine seltsame Faszination aus.

"Shape of Water"; © 2017 Twentieth Century Fox
Bild: 2017 Twentieth Century Fox

Alles fließt

Der Titel "Shape of Water" ist Programm des Films mit vielfältigen Assoziationen, als Lebensraum dieses Wassermannes, als Metapher für den Fluss der Erzählung und die Auflösung von Gefängnissen. Das Wassermotiv durchdringt den ganzen Film, von der ersten Szene an, in der ein Zimmer zum riesigen Aquarium wird, in dem Elisa wie im Traum schlafend, schwerelos durch den Raum schwebt bis zum bizarren Liebesakt im gefluteten Badezimmer.

"Shape of Water"; © 2017 Twentieth Century Fox
Bild: 2017 Twentieth Century Fox

Stimmungsvolle Atmosphäre

Der Film ist zugleich Agententhriller, Monstermovie, Horrormärchen, Liebesmelodram und Fantasygeschichte, mit zahlreichen Bezügen zum Kino. Schon das Amphibienwesen aus dem Amazonas erinnert deutlich an "The Creature from the Black Lagoon", eines der klassischen Universalmonster aus den 50iger Jahren. Allerdings deutet Guillermo del Toro den klassischen Kinohorror um, wie immer bei ihm sind auch hier die Freaks und Außenseiter die wahren Helden, während der sadistische Regierungsagent (Michael Shannon) die Rolle des Monsters hat.

Die stimmungsvoll unheimliche Atmosphäre entsteht aus vielen Ausstattungsdetails in den engen Wohnungen, sterilen Labors und einem verzauberten Kinopalast. Statt sein Monster im Computer zu erschaffen, arbeitet der Regisseur auch hier wieder vor allem mit den klassischen Tricks des Kinos, und wie schon der weiße Faun in "Pan’s Labyrinth" wird auch der Wassermann mit viel Latex von Doug Jones verkörpert.

Großartig

Sally Hawkins, sonst vor allem als quirlige Plaudertasche bekannt, spielt die stumme Reinigungskraft als kindlich feenhafte, aber auch wild entschlossene junge Frau, die hier jedenfalls nicht von einem Mann gerettet werden muss. In einem großartigen Film zum Staunen und Nachdenken deutet del Toro viele klassische Motive auf moderne Weise um.

Anke Sterneborg, kulturradio

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