"Transit"; © Schramm Film / Marco Krüger
Schramm Film / Marco Krüger
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68. Berlinale | Wettbewerb - "Transit"

Bewertung:

Ein aktuelles Buch, tolle Bilder von Kameramann Hans Fromm und sehr gute schauspielerische Leistungen. Für das deutsche Kino auf der Berlinale ein verheißungsvoller Auftakt.

Frankreich, 1943: Georg (Franz Rogowski) ist auf der Flucht vor den Nazis: Er hat sich von Paris nach Marseille in den letzten freien Hafen gerettet und wartet dort auf die Schiffspassage nach Mexiko. Durch einen Zufall sind ihm die Papiere des verfolgten Schriftstellers Weidel in die Hände gefallen, der sich das Leben genommen hat. Dessen Identität nimmt er nun an, in der Hoffnung, an seiner Stelle in Mexiko Asyl zu bekommen.

Weidels Frau Marie (Paula Beer) ist ebenfalls in Marseille. Sie weiß noch nichts vom Tod ihres Mannes, will aber Frankeich unbedingt verlassen, bevor die Nazis Marseille erreichen. Georg verliebt sich in sie, will ihr helfen – und so nimmt eine verwirrende Geschichte um Liebe und Verrat ihren Lauf.

Geschickt adaptiert

1943 hat Anna Seghers ihren Roman "Transit" geschrieben, in einer Zeit, als sie sich selbst in Frankreich auf der Flucht befand. Darin beschreibt sie das Leben zwischen Bangen und Hoffen – in einer Stadt, in der sich tragische Schicksale kreuzen und alle auf das rettende Schiff warten.

Christian Petzold hat diese Roman-Vorlage geschickt adaptiert, in dem er die Geschichte von damals in das Marseille von heute versetzt. Die Sprache der Menschen ist zwar die von 1943, aber die Bilder sind ganz aktuell.

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Bild: Schramm Film / Marco Krüger

Verheißungsvoller Auftakt

Funkstreifenwagen der französischen Polizei fahren durchs Bild, Leute sprechen in ihre Smartphones und die Fluchtschiffe, auf die alle warten sind große Kreuzfahrt-Luxusliner. Gerade durch die Gleichzeitigkeit von Vergangenheit und Gegenwart wird die Botschaft des Films besonders deutlich: Wer sich heute über Flüchtlinge aufregt, kann morgen schon selbst auf Hilfe von Anderen angewiesen sein. Er habe in seiner Karriere noch nie ein Buch verfilmt, sagte Christian Petzold auf der Presse-Konferenz, hinter dem er inhaltlich so sehr gestanden hätte wie hinter diesem.
 
Es passt vieles zusammen bei "Transit": ein aktuelles Buch, tolle Bilder von Kameramann Hans Fromm und sehr gute schauspielerische Leistungen. Für das deutsche Kino auf der Berlinale ein verheißungsvoller Auftakt.
 

Carsten Beyer, kulturradio

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