"Unsane"; © Fingerprint Releasing / Bleecker Street
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68. Berlinale | Wettbewerb (außer Konkurrenz) - "Unsane"

Bewertung:

Steven Soderbergh erzählt von einer jungen Frau, die sich plötzlich in einer psychiatrischen Einrichtung wiederfindet und mit ihren größten Ängsten konfrontiert wird.

Nachdem Steven Soderbergh vor vier Jahren frustriert durch die langwierigen und komplizierten Produktionsbedingungen des Filmgeschäfts frühzeitig in Rente gegangen war, hat er das Filmemachen nun für sich wieder frisch und neu erfunden, indem er seinen neuen Film "Unsane" schnell und unkompliziert mit dem iPhone gedreht hat.

Beziehungs-Obsessionen

Wie ein schludriges Home-Movie sieht der Film trotzdem nicht aus. Die Auslösung ist ein bisschen gröber, körniger, alles ein bisschen unschärfer, aber in einer durchdacht ästhetischen Bildsprache mit richtigen Schauspielern.

Die Engländerin Claire Foy, die man aus der Netflix Serie "The Crown" kennen könnte, spielt eine Finanzanalystin, beruflich erfolgreich, privat eher labil. Sie ist gerade vor einem Stalker in eine andere Stadt geflohen, weshalb sie psychologische Hilfe in einem Krankenhaus sucht, wo sie allerdings bald zwangsweise als Patientin einbehalten wird – in einer Atmosphäre, die an Gefängnis erinnert.

Der Film schürt eine klaustrophobische Atmosphäre der Paranoia, in der weder die Heldin, noch der Zuschauer sicher sein können, was Realität und was Wahn ist. In vieler Hinsicht schließt sich mit dem Film ein Kreis zu Steven Soderberghs Debüt "Sex Lies and Videtapes", der in ähnlicher Weise mit Videobildern um Beziehungs-Obsessionen kreiste.

"Unsane"; © Fingerprint Releasing / Bleecker Street
Bild: Fingerprint Releasing / Bleecker Street

Durchdachte Filmsprache

Wie schon zuvor in "Side Effects" und "Contagion" geht es auch hier um die Risiken und Nebenwirkungen des Gesundheitssystems, und zwar die fragwürdigen Abrechnungsmethoden zwischen Krankenhäusern und Krankenkassen, die dazu führen, dass Betten um jeden Preis belegt werden müssen.

In diesen aktuellen Kontext pflanzt er einen psychopathischen Stalker ein, womit die Thriller Elemente des Films Fahrt aufnehmen. Mit im Grunde einfachsten Mitteln, die nahezu jedem zugänglich sind, verbindet Soderbergh durchdachte Filmsprache, moderne Technik und aktuelle Inhalte auf moderne Weise.

Anke Sterneborg, kulturradio

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Im Wettbewerbsprogramm konkurrieren 19 Filme um den Goldenen und Silbernen Bären, die am 24. Februar 2018 im Berlinale-Palast überreicht werden. #metoo – das Thema Missbrauch ist natürlich auch bei den 68. Internationalen Filmfestspielen Berlin präsent.

Darüber sowie über die wichtigsten Filme und ihre Macher*innen berichten wir im kulturradio vom 15. bis zum 25. Februar 2018 täglich.