"Isle of Dogs"; © 2018 Twentieth Century Fox
2018 Twentieth Century Fox
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68. Berlinale | Eröffnungsfilm - "Isle of Dogs – Ataris Reise"

Bewertung:

Gestern wurde die Berlinale feierlich eröffnet, und zwar mit "Isle of Dogs – Ataris Reise", dem neuen Film des Amerikaners Wes Anderson. Der ist seit 2002 quasi Stammgast an der Spree. Schon in Dieter Kossliks erstem Berlinale-Jahrgang lief mit "The Royal Tenenbaums" eines seiner Wunderwerke.

"Isle of Dogs – Ataris Reise" ist eine Science Fiction-Geschichte, die 20 Jahre in der Zukunft spielt, in der fiktiven Stadt Megasaki, die vom Bürgermeister Kobayashi in den Zangen einer korrupten Diktatur gehalten wird. Als Katzenliebhaber hat er die Hundebevölkerung aus der Stadt verbannt, auf eine Mülldeponie-Insel, auf der sie krank und ohne Futter kaum Überlebenschancen haben.

Drei Jahre nach dem erzwungenen Exil landet der zwölfjährige Atari, ein Mündel des Kobayashi Clans auf der Insel, um seinen Hund Spots zu finden. Mit einer kleine Gruppe widerstandsfähiger Streuner  und Mischlinge formiert sich der Widerstand der Hunde, den die Kinder vom Festland unterstützen.

Unglaublich Detailfreude

Wie schon der erste Animationsfilm von Wes Anderson, die Roald Dahl-Verfilmung "Fantastic Mr. Fox" ist auch "Isle of Dogs" ein poetischer und subversiv komischer Film vor allem für Erwachsene – mit vielen Finessen, einer unglaublichen Detailfreude und vielen Allegorien auf die Machtverhältnisse in der wirklichen Welt.

Wie seine anderen Filme ist auch dieser ein Konglomerat von Geschichten, die raffiniert miteinander verflochten sind, changierend zwischen Agentengeschichte, politischer Revolutionsgeschichte, Endzeitthriller und Lovestory. Dabei wirkt "Isle of Dogs" wie eine vielschichtige Weiterentwicklung von Anderson erstem Stop Motion-Animationsfilm "Fanastic Mr Fox".

Wie die Füchse sind auch jetzt die Hunde nicht hyperrealistisch im Stil von Disney und Pixar animiert, sondern künstlerisch eigenwillig mit zerzausten Charaktergesichtern und puppenartig abgehackten Bewegungen. Und auch hier geht es wieder um das Selbstverständnis, um tierische und menschliche Eigenheiten: wer ist man, wer will man sein, Haustier, wildes Tier, Streuner.

"Isle of Dogs"; © 2018 Twentieth Century Fox
Bild: 2018 Twentieth Century Fox

Gelungener Start

Die kompakten Puppenhaus-Welten von Wes Anderson haben sich ausgebreitet, geblieben ist die verspielte Mechanik der Ereignisse, die sich darin entfaltet, dieses Mal nicht in unterirdischen Fuchsgängen, sondern in einem Gondelsystem in luftiger Höhe.

Zur reichen Textur des Films gehören neben Geräuschen und der Musik von Alexandre Despalt auch die Stimmen großartiger Schauspieler wie Bill Murray, Brian Cranston, Greta Gerwig, Tilda Swinto und Jeff Goldblum, die am Eröffnungsabend auch den roten Teppich bevölkerten.

Alles in allem also ein gelungener Festivalstart mit einem sinnlichen, klugen, fantasiestrotzenden und originellen Auftakt!

Anke Sterneborg, kulturradio

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