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Drama - "Lucky"

Im Herbst vergangenen Jahres ist der Schauspieler Harry Dean Stanton gestorben. Jetzt kommt sein letzter Film in die Kinos. "Lucky" ist das Debüt des Schauspielers John Carroll Lynch als Regisseur.

Mehr als 200 Credits umfasst die Filmografie des amerikanischen Schauspielers Harry Dean Stanton. Lange Zeit war der Charakterdarsteller auf Nebenrollen festgelegt, bis Wim Wenders ihn zum traurigen Helden seines Films "Paris Texas" machte – einem Mann, der verwittert und zerknittert aus dem Nichts der Wüste gelaufen kommt, um seine große Liebe aufzusuchen.

Im letzten Herbst ist Harry Dean Stanton mit 91 Jahren gestorben, diese Woche kommt ein Film in unsere Kinos, der durch seinen Tod zum Vermächtnis geworden ist: "Lucky" ist das Debüt des Schauspielers John Carroll Lynch, den Sie bestimmt schon mal im Kino gesehen haben, ohne seinen Namen zu kennen.

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Momentaufnahme

Der Film ist eine Momentaufnahme im Leben eines 90-jährigen Mannes, der mitten in der Wüste in einem kleinen Einraum-Haus am Rand eines kleinen Kaffs außerhalb von Los Angeles lebt. Morgens allein aufwachen, aufstehen, ein paar für einen Neunzigjährigen beachtliche Turnübungen absolvieren, die erste Zigarette des Tages anzünden, der noch viele weitere folgen werden, rasieren, Haare kämmen, anziehen, Hut aufsetzen; dann stapft Lucky durch die Landschaft, an Sträuchern und Kakteen vorbei, die genauso dürr und stachlig sind wie er – erst in den Coffee Shop, in den Supermarkt, in die Bar, bevor er wieder nach Hause läuft um auf der Couch Gameshows ohne Ton anzuschauen.

Schlägt der Film zunächst auf lakonische Weise fast komödiantische Töne an, wird er zunehmend nachdenklicher und melancholischer, nachdem Lucky eines Morgens überraschend in Ohnmacht fällt, was ihm Angst macht und ihn zum Nachdenken bringt.

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Ureigene Persönlichkeit

Logan Sparks, der einer der beiden Drehbuchautoren und ebenfalls Schauspieler ist, war mit Harry Dean Stanton eng befreundet und hat diesen Film als Liebesbrief an ihn konzipiert. Lucky ist ein Destillat der vielen Rollen, die Harry Dean Stanton im Laufe der Jahre gespielt hat, ein Schauspieler, der sich nie chamäleonhaft verstellt hat, sondern immer auf stoische Weise seine ureigene Persönlichkeit in die Filme getragen hat.

Viele Eigenheiten, die Sparks bei Harry Dean Stanton erlebt und beobachtet hat, sind in die Figur des Lucky eingeflossen. Zu dieser biografischen Essenz gehört auch der Umgang mit der Musik, die nach dem Schauspiel Harry Dean Stantons zweite große Liebe war; wenn er in seinem Häuschen Mariachi-Musik aus dem Radio hört, selbstvergessen Mundharmonika spielt oder auf einem mexikanischen Kindergeburtstag spontan anfängt, ein Liedchen zu singen. Das mündet in einen der berührensten Momente des Films, weil der eigenbrötlerische Loner einen Moment lang zum Teil der Großfamilie wird.

Vermächtnis

Umrahmt wird Harry Dean Stanton von einer ganzen Reihe von Charakterdarstellern, darunter auch der Regisseur David Lynch, in dessen Filmen er mehrfach gespielt hat. Man spürt, dass es allen eine Ehre war, Harry Dean Stanton, der so viele Nebenrollen gespielt hat, hier zu unterstützen.

So ist dieser Film zugleich das Vermächtnis eines großen Nebendarstellers und ein liebevoller Abschiedsgruß, eine wehmütige Meditation über die Vergänglichkeit und eine der wenigen Hauptrollen seines langen Schauspielerlebens.

Anke Sterneborg, kulturradio

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