"Maria Magdalena" ©Universal Pictures
Bild: Digital Media/jonathan olley

Drama - "Maria Magdalena"

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Der Bibelfilm ist zurück im Kino. Und auch dieses Jahr rechtzeitig vor Ostern sind Menschen mit Bärten in wallenden Gewändern auf den Spuren Jesu unterwegs auf der Leinwand. Das Neue: es ist eine Frau, die im Mittelpunkt des Geschehens steht, Maria Magdalena nämlich.

Von der Kirche lange als Prostituierte verunglimpft, will sie Regisseur Garth Davis als die zeigen, die sie nach den biblischen Schriften war: die erste Zeugin der Auferstehung.

Maria will nicht heiraten. Damit fangen die Probleme an. Denn eine Frau, die nicht heiraten will, im römischen Protektorat am Ufer des See Genezareth, kann noch so geschickt, hilfsbereit und liebevoll sein: sie passt nicht in das Muster, das die Gesellschaft für eine Frau vorgesehen hat. Maria ist also eine Provokation wider Willen. Dabei will sie einfach nur beten, wann sie möchte, und ihr Leben etwas Größerem als nur einem Ehemann widmen. Zum Glück naht Hilfe: ein herumziehender Rabbi und Wunderheiler kommt ins Dorf. Und Maria spürt: hier ist Größeres zu finden.

"Maria Magdalena" ©Universal Pictures
©Universal PicturesBild: Universal Pictures

Sie geht weg aus Magdala

Maria schnappt sich nichts als eine Decke zum Schlafen und geht weg aus Magdala, zum Entsetzen ihrer Familie. Denn in Jesus hat sie jenes Größere gefunden, auf das sie gewartet hat. Zur Taufe stürzt sie sich förmlich in die Wellen, Jesus kommt kaum hinterher – das ist das freudige Gegenbild zu einem Exorzismus, bei dem sie die wohlmeinende, aber verständnislose Familie vorher beinahe ertränkt hätte.

"Es geht darum, da hinzugehen, wo sie Quelle ihrer Glaubenserfahrung vermutet", sagt der Theologe Joachim Valentin. "Nehmen Sie nur die Szene, wo sie mit Jesus spricht und sinngemäß fragt: Wie ist es denn, Gottes Nähe zu spüren? Und Jesus sagt: Du bist die erste, die mich das fragt."

"Maria Magdalena" ©Universal Pictures
Bild: Digital Media/jonathan olley

Der beste Bibelfilm seit Pasolini

Der katholische Theologe Joachim Valentin beschäftigt sich schon lange mit dem Verhältnis von Film und Theologie. Er ist von "Maria Magdalena" begeistert. "Für mich ist das die beste Bibelverfilmung seit Pasolini. Vor allem, weil der Film, gerade dadurch, weil er nicht eine Sammlung von Bibelzitaten ist, eine ganz hohe Authentizität vermittelt."

Authentisch, das heißt: Jesus, Maria Magdalena und die Jünger werden als praktizierende Juden und Jüdinnen gezeigt. Ganz äußerlich bedeutet diese Authentizität: Maria Magdalena ist als Film vor allem beige. Das ist die Farbe der ungebleichten Leinengewänder, in die sich alle hüllen, liebevoll handbestickt für die Frauen. Die einzigen Farbtupfer sind rot: das Blut der Opfertiere im Tempel und schließlich das Rot des Blutes Jesu bei der Kreuzigung. Maria Magdalena muss das zum Glück nur kurz ertragen, dann fällt sie in Ohnmacht. Mel Gibsons Passion als Schlachtegemälde lässt kurz grüßen und wird dann energisch verabschiedet. Maria Magdalena ist ein stiller Film.

Rooney Mara schweigt überzeugend

"Natürlich löst sich hier eine Frau von ihrer Familie, und das wird hochdramatisch gezeigt", sagt Joachim Valentin. Die Jesusgeschichte als Emanzipationsdrama? "Man kann das jetzt Emanzipation nennen, aber man bekommt nicht den Eindruck, dass sie sich zu etwas entscheidet und das dann durchzieht, wie wir das als moderne Menschen machen würden.Sondern nach meiner Wahrnehmung ist getrieben von einer tiefen eigenen Glaubenserfahrung – die Jünger wollen die Gesellschaft umgestalten, Maria aber steht für eine positiv verstandene Innerlichkeit."

Hauptdarstellerin Rooney Mara wurde unter anderem ausgewählt, weil sie so überzeugend schweigen und still sein kann. Diese Maria will nur glauben. Dass sie dann doch ein paar Dinge umkrempelt und anstößt, erscheint mehr als Zufall. Maria versteht Jesus einfach am besten.

Der Film nimmt die Denunzierung Marias zurück

Eine Frau als erste Zeugin des Glaubens: Das kann für manche vielleicht immer noch revolutionär sein. Wirklich nachdrücklich wird der Film dann eigentlich nur im Abspann: Maria Magdalena, heißt es weiß auf schwarzem Grund, wurde erst von Papst Leo dem Großen mit der Prostituierten gleichen Namens gleichgesetzt, von der das Neue Testament auch erzählt. Auch in der Filmgeschichte ist Maria Magdalena sonst immer die Verführerische, die verkörperte Sexualität: mal als reuige Sünderin, mal als suchende Liebende – wie in Jesus Christ Superstar, mal auch ganz wörtlich und titelgebend "Die letzte Versuchung Christi". Da steht das Kino in einer langen Tradition: Maria Magdalena war immer Anstoß und Versuchung für männliche Blicke gleichzeitig, nur eines war sie nicht: verzichtbar. In den biblischen Geschichten von der Auferstehung ist sie die erste Person am leeren Grab Jesu.

Auch wenn der Film "Maria Magdalena" eine sehr stille, nicht fordernde Maria zeigt, die für die Zuschauerin von heute manchmal arg passiv erscheint: Immerhin nimmt er ihre Denunzierung zurück, und das war längst überfällig.

Kirsten Dietrich, kulturradio

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