"Vor uns das Meer"; © Studiocanal GmbH / Dean Rogers
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Drama - "Vor uns das Meer"

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Donald Crowhursts gewagter Versuch die Welt zu umsegeln gilt bis heute als ein Mysterium der Seefahrts-Geschichte. "Vor uns das Meer" erzählt die außergewöhnliche Geschichte des Amateurseglers, der 1968 beim Sunday Times Golden Globe Race angetreten ist, um der schnellste Mensch zu werden, der allein und ohne Zwischenstopp die Welt umsegelt.

Der britische Erfinder Donald Crowhurst (Colin Firth) ist ein unternehmungslustiger und wagemutiger Mann. Weil er seine marode Firma sanieren will, beteiligt sich der Hobby-Segler mit einem selbstkonstruierten Trimaran am Sunday Times Golden Globe Race. Wer die erste Nonstop Einhand-Umsegelung der Welt schafft, auf den wartet die stattliche Summe von 5.000 britischen Pfund. Doch Crowhurst besitzt weder die technischen noch die nautischen Fähigkeiten, die man für eine Weltumsegelung braucht. Je näher der letztmögliche Starttermin am 31. Oktober 1968 rückt, desto mehr wird ihm das selber klar. Crowhurst hat wachsende Skrupel, seine Frau Clare (Rachel Weisz) und die vier Kinder der Familie zurückzulassen.

"Vor uns das Meer"
"Vor uns das Meer"Bild: Studiocanal GmbH / Dean Rogers

Wie der Zauberlehrling

Als er am Ende doch – schlecht vorbereitet und völlig überstürzt – in See sticht, weiß er genau, dass sein Unternehmen zum Scheitern verurteilt ist. Doch Crowhurst hat keine Wahl: Für den Bootsbau hat er sich bei seinem Sponsor Stanley Best (Ken Stott) hoch verschuldet und er hat mit dem einstigen Sportreporter Rodney Hallworth (David Thewlis) einen Presse-Agenten engagiert, der mächtig Wind für sein Abenteuer gemacht hat. So wie der Zauberlehrling, der die Mächte, die er gerufen hat, nicht mehr unter Kontrolle bekommt, wird Donald Crowhurst zum Opfer seines eigenen Medienrummels.

"Vor uns das Meer"; © Studiocanal GmbH / Dean Rogers
Bild: Studiocanal GmbH / Dean Rogers

Ausführliche Studien

Der britische Regisseur James Marsh setzt sich in seinen Filmen gerne mit den Biographien außergewöhnlicher Menschen auseinander: Den kürzlich verstorbenen Physiker Stephen Hawking hat er genauso porträtiert ("Die Entdeckung der Unendlichkeit", 2014) wie den französischen Drahtseilartisten Philippe Petit ("Man on Wire", 2009). Mit Donald Crowhurst hat er sich diesmal einen Protagonisten ausgesucht, dessen Vorhaben spektakulär scheitert.

Als gelernter Dokumentarist hat Marsh seine Quellen ausführlich studiert: Er hat die alten Zeitungsartikel gelesen, er hat kistenweise Filmmaterial bei der BBC gesichtet – und er hat die Logbücher von Crowhursts Reise studiert. Herausgekommen ist ein detailverliebter und schön fotografierter Abenteuerfilm, der jedoch einige dramaturgische Hänger aufweist. Während Crowhurst planlos und viel zu langsam an der afrikanischen Westküste entlang schippert (und dabei allmählich den Verstand verliert) wartet die Familie in England sehnsüchtig auf den Ehemann und Vater und sein Agent jagt eine Fantasiemeldung nach der anderen raus, um Medienöffentlichkeit und Sponsoren bei Laune zu halten.

Versuch einer Ehrenrettung

"Vor uns das Meer" ist der Versuch einer Ehrenrettung für einen Mann, der Versager und Betrüger in die Geschichte des Segelsports eingegangen ist. Solange Nachruhm und Größe eines Menschen über solche Himmelfahrtskommandos definiert werden, das zeigt Marshs Film ganz deutlich, solange wird sich auch immer jemand finden, der sie unternimmt.

Carsten Beyer, kulturradio

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