"Film Stars Don't Die In Liverpool" mit Annette Bening (Gloria Grahame); © Sony Pictures
Bild: Sony Pictures

Liebesdrama - "Film Stars Don't Die In Liverpool"

Bewertung:

Was als aufregende Affäre zwischen einer Leinwanddiva und ihrem jungen Liebhaber beginnt, entwickelt sich zu einer ernsthaften Beziehung. Ihre Liebe wird jedoch auf eine harte Probe gestellt.

In den Vierzigern und Fünfzigern war Gloria Grahame ein Star. Sie spielte unter der Regie von Fritz Lang und Frank Capra. Sie spielte schwere Rollen, leichte Rollen, sang in Musicals. Zweimal war sie für einen Oscar nominiert, einmal bekam sie ihn: 1953 für Vincente Minellis "Stadt der Illusionen". Und sie hatte ein bewegtes Liebesleben: Vier Mal war sie verheiratet. Unter anderem mit Nicholas Ray und später mit dessen Sohn Tony.

In den Siebzigerjahren war ihr Stern bereits gesunken, sie spielte in London am Theater. Hier lernte sie den jungen Schauspieler Peter Turner kennen. Um diese Beziehung geht es in dieser Liebesgeschichten mit dem einfach-komplizierten Titel von Paul McGuigan, der sich u.a. als Regisseur der "Sherlock Holmes"-Serie mit Benedict Cumberbatch einen Namen gemacht hat.

1987 schrieb Peter Turner ein Buch über seine Liebe zu Gloria Grahame, die da schon nicht mehr lebte. Sie starb 1981 in Manhattan, wenige Stunden nachdem ihre Familie sie todkrank von Liverpool zurück nach New York geholt hatte.

"Film Stars Don't Die In Liverpool" mit Annette Bening (Gloria Grahame) und Jamie Bell (Peter Turner); © Sony Pictures
Annette Bening (Gloria Grahame) und Jamie Bell (Peter Turner) | Bild: Sony Pictures

Ungleiches Paar

Eigentlich passen sie überhaupt nicht zueinander. Nicht nur vom Alter her, auch von ihrem sozialen Background: Er kommt aus der Arbeiterstadt Liverpool, sie aus Hollywood. Dazu kommt der Altersunterschied: Als sie sich 1978 kennenlernen, ist Gloria Grahame 54 Jahre alt, Peter Turner 26 Jahre alt. Und doch verlieben sie sich. Und ihre Liebe funktioniert. Bis sie erkrankt. Die Krankheit wird sie Jahre später wieder zusammenführen.

Grahames langsames Sterben im Kreis von Turners Familie bildet die Klammer des Films. Von hier aus gleiten wir in die Erinnerung, zurück in glücklichere Zeiten. Das ist sehr schön erzählt. Und wundervoll gespielt: Wie Annette Bening sich von der strahlenden Schönheit in eine alte kranke Frau verwandelt und dabei nichts von ihrer Würde verliert, ist ein Erlebnis. Allerdings hat sie sicherlich den dankbareren Part. Für Jamie Bell ist es ungleich schwerer. Er ist der Beobachtende, der still Leidende.

"Film Stars Don't Die In Liverpool" mit Julie Walters (Bella Turner); © Sony Pictures
Julie Walters (Bella Turner) | Bild: Sony Pictures

Sehr warmherzig

Obwohl Bell ja inzwischen viel gemacht hat, ist er uns vor allem als Billie Elliot in Erinnerung: der Junge, der tanzen und nicht Fußball spielen wollte. Er wird seiner Rolle als jugendlicher Liebhaber absolut gerecht. In seiner Zurückhaltung liegt eine große Kraft, die nicht nur diese ungleiche Liebe nachvollziehbar macht, sondern auch den Film entscheidend trägt. Und dann gibt es noch Julie Walters, die – wie schon in "Billie Elliot" – Turners Mutter spielt. Auch sie: sehr warmherzig, eine nicht zu unterschätzende Nebenrolle.

So ist dieses Liebesdrama, das genauso ein Film über den großen Hollywoodstar wie über den liebenden Liverpooler Jungen ist, auch ein Film darüber, wie man zusammenhält, wie man sich respektvoll begegnet. All das nicht schwer, eher leicht, traurig, ab und zu lustig, berührend – ein Film, den man nicht so schnell vergisst.

Christine Deggau, kulturradio

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