Jeff Bauman (Jake Gyllenhaal) und seine Exfreundin Erin (Tatiana Maslany) finden wieder zueinander in einer Szene des Films "Stronger"
Bild: Studiocanal GmbH, Scott Garfield

Filmbiografie - "Stronger"

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Jeff Bauman wollte im April 2013 beim Boston-Marathon seiner mitlaufenden Freundin an der Ziellinie zujubeln, als ihm eine Bombe beide Beine wegriss. David Gordon Green erzählt ein Ereignis, das wir schon fast vergessen haben, aus einer sehr menschlichen Perspektive.

Im April 2013 fand während des Marathons in Boston ein Bombenanschlag statt bei dem drei Menschen starben und viele teils schwer verletzt wurden. Einer von ihnen ist Jeff Bauman. Darüber wie sein Leben hat sich nach dem Attentat verändert hat, hat Bauman ein Buch geschrieben – die Grundlage des Films von David Green.

Zufällig stand Bauman im Publikum am Straßenrand neben einem der Bombenleger, dort, wo die Bombe detoniert und ihm beide Beine wegreißt.

Da Bauman einen der Attentäter gesehen hat, sorgt seine Personenbeschreibung dafür, dass die Täter schon wenige Tage nach dem Attentat gefasst werden. Bauman wird zum Helden.

Auch weil sein Schicksal bewegt. Er wird zum Symbol und zum Vorbild: Sich nicht unterkriegen lassen, weitermachen, lächeln.

Vorgeführt

Doch erzählt "Stronger" keine klassische Heldengeschichte, der Film schaut vielmehr hinter die Fassade und fragt, wie man zum Helden werden kann, weil man einen schweren Schicksalsschlag erlitten hat. Bedient sich die Öffentlichkeit nicht einfach eines Lebens, einer Person, weil es in ihr Konzept passt?

Der Film erzählt, wie sehr Jeff Bauman sich benutzt und vorgeführt fühlt. Erzählt von seinen Gefühlen zwischen Grauen und Geschmeicheltsein wenn Ophrah Winfrey ihn besuchen will. Wenn er im Rollstuhl sitzt und bei Großveranstaltungen die amerikanische Flagge schwenkt. Wenn Millionen ihm zujubeln.

Zunächst aber lernen wir Bauman vor dem Marathon kennen: ein charmanter Wuschelkopf, der in einem Imbiss jobbt, nicht willens, für irgendetwas Verantwortung zu übernehmen. So lebt er noch immer zuhause bei seiner Mutter, einer alkoholkranken Frau, und hat sich gerade zum x-ten Mal von seiner Freundin getrennt. Nach dem Anschlag kommen die beiden wieder zusammen. Doch so wie der Regisseur Baumans Heldentum hinterfragt, blendet er auch die Probleme und Schwierigkeiten dieser Liebe nicht aus.

Bewegend

Jake Gyllenhall spielt Jeff Bauman unpathetisch, konkret, körperlich, humorvoll. Er ist der sympathische Antiheld. Stark auch Tatiana Maslany in der Rolle seiner Freundin, intuitiv und sehr präsent. Und Miranda Richardson als Mutter, übergriffig und distanzlos, immer ein Glas Alkohol in der Hand, die das Schicksal ihres Sohnes groß verkaufen will, um ihn glücklich zu machen. Alle drei Schauspieler haben sich mit ihren realen Vorbildern getroffen und auseinandergesetzt. Das ist spürbar.

Anders als zuletzt "Boston" mit Mark Wahlberg, der sehr actionreich vor allem die Jagd auf die Attentäter schildert, ist "Stronger" ein Film, der durch seine hinterfragende Erzählhaltung bewegt und ein Ereignis das wir schon fast vergessen haben, aus einer sehr menschlichen Perspektive wieder in Erinnerung holt.

Christine Deggau, kulturradio

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